Zum Inhalt
Team und Zusammenarbeit

Ein guter Start: Neue Kollegen in der Praxis einbeziehen

Planen Sie die inklusive Einarbeitung in der Therapiepraxis für die erste Woche: mit passenden Arbeitsmitteln, verständlichen Übergaben und konkreter Rückmeldung.

easymed.digital Redaktion 8 Min. Lesezeit
Zwei Kolleginnen richten gemeinsam einen Praxisarbeitsplatz mit großem Bildschirm und Notizbuch ein

Die neue Kollegin beginnt am Montag. Die Zugänge sind vorbereitet, im Kalender steht eine Einführung und alle wollen helfen. Trotzdem fällt ihr der Einstieg schwer: Eine Erklärung geht im Empfangslärm unter, interne Kürzel bleiben unverständlich und Rückfragen passen nie zwischen die laufenden Termine. Ein freundlicher Empfang allein macht die erste Arbeitswoche noch nicht gut nutzbar.

Inklusive Einarbeitung in einer Therapiepraxis setzt genau hier an. Sie betrachten, welche Bedingungen eine Person für ihre tatsächlichen Aufgaben braucht, und bearbeiten konkrete Hindernisse gemeinsam. Das betrifft Arbeitsmittel, Kommunikation, Lerngelegenheiten und Zugehörigkeit zum Team. Entscheidend ist die einzelne Person mit ihrer vorgesehenen Rolle. Aus Alter, Namen oder Lebensgeschichte lässt sich ihr Unterstützungsbedarf nicht ablesen.

Für digitale Aufgaben kann easymed Orientierung geben: Teamkalender, Patientenakte und Behandlungsdokumentation gehören zum Praxisalltag; mit den Mitarbeiterrechten legen Sie fest, welche Bereiche eine Person sehen und bearbeiten kann. Zeigen Sie beim Einstieg den Weg, der zur tatsächlichen Rolle passt. Begriffe, Rückfragezeiten und Übergaben vereinbart weiterhin das Team. Die Funktionsübersicht von easymed zeigt die verfügbaren Bereiche.

Vor dem Start nach den Arbeitsbedingungen fragen

Besprechen Sie zunächst einen typischen Arbeitstag. Welche Aufgaben übernimmt die neue Person, wo arbeitet sie und mit wem stimmt sie sich ab? Zeigen Sie Behandlung, Dokumentation, organisatorische Übergaben und Rückfragezeiten getrennt. So kann sie konkrete Fragen stellen, statt einen allgemeinen Bedarf an „besonderer Unterstützung“ beschreiben zu müssen.

Den Arbeitstag aus der eigenen Rolle kennenlernen
BehandlungDokumentationÜbergabenRückfragenEigeneAufgabeAm tatsächlichen Arbeitstag erklären
Behandlung, Dokumentation, Übergaben und Rückfragen machen die vorgesehenen Aufgaben verständlich.

Eine hilfreiche Frage lautet: „Was benötigen Sie, damit Sie diesen Arbeitsweg gut kennenlernen und später selbst ausführen können?“ Vielleicht wünscht sich die Person eine schriftliche Schrittfolge, eine ruhigere Übungszeit oder eine besser lesbare Ansicht. Fragen Sie nach der Arbeitssituation und der passenden Veränderung. Persönliche Erklärungen, die für die vereinbarte Anpassung nicht gebraucht werden, müssen dabei nicht vor dem gesamten Team besprochen werden.

Halten Sie eine bestätigte Anpassung mit Zuständigkeit fest. Ein größerer Bildschirm wird rechtzeitig eingerichtet; eine Übung bekommt einen ruhigeren Ort; eine Anleitung wird vorab bereitgestellt. Prüfen Sie auch, ob die Maßnahme am vorgesehenen Arbeitsplatz tatsächlich funktioniert. Eine Zusage im Vorstellungsgespräch hilft wenig, wenn am ersten Morgen niemand weiß, wer das Arbeitsmittel bereitstellt.

Eine neue Kollegin sitzt allein an einem hellen ruhigen Arbeitsplatz mit großem Bildschirm und offenem Notizbuch KI Generiert
Ein ruhiger Ort, eine lesbare Ansicht und erreichbare Unterlagen werden beim nächsten Durchgang gemeinsam geprüft.

Stimmen Sie ab, welche Information das Team für die Zusammenarbeit braucht. Es kann genügen zu wissen, dass Rückfragen zu einer bestimmten Zeit gesammelt werden oder eine Erklärung zusätzlich schriftlich vorliegt. Die neue Person soll mitentscheiden können, wie über ihre Arbeitsbedingungen gesprochen wird. Ein geordneter Start verbindet diese individuelle Absprache mit klaren gemeinsamen Aufgaben.

Die erste Aufgabe mit verständlichen Begriffen erklären

Wählen Sie einen überschaubaren Arbeitsweg aus der künftigen Rolle. Für eine organisatorische Kollegin kann das eine Terminänderung mit anschließender Rückmeldung sein. Für eine therapeutische Rolle wählen die fachlich zuständigen Personen eine passende Aufgabe. Legen Sie den Ausgangspunkt und den erkennbaren Abschluss fest, bevor Sie einzelne Klicks oder interne Kürzel erklären.

Gehen Sie dieselbe Aufgabe zunächst gemeinsam durch. Benennen Sie die benötigte Information, die zuständige Rolle und die nächste Handlung. Erklären Sie Begriffe direkt am Vorgang: Was bedeutet in Ihrer Praxis „bestätigt“, wer darf eine Alternative zusagen und wann bleibt eine Rückfrage offen? Eine Person kann die Oberfläche kennen und dennoch Ihre interne Vereinbarung noch nicht verstehen.

Verwenden Sie eine kurze aktuelle Anleitung, die den Arbeitsweg in verständlicher Sprache beschreibt. Fachbegriffe dürfen darin stehen, wenn sie gebraucht und erklärt werden. Vermeiden Sie wechselnde Bezeichnungen für dieselbe Rolle. Wenn auf dem Zettel „Anmeldung“, im Gespräch „Empfang“ und im Kalender eine dritte Bezeichnung steht, erläutern Sie diesen Zusammenhang ausdrücklich.

Lassen Sie die neue Person den nächsten Schritt in eigenen Worten wiedergeben oder ausführen. Diese Rückmeldung prüft Ihre Erklärung und den vorbereiteten Arbeitsplatz. Eine Unklarheit wird an der konkreten Stelle bearbeitet. Statt den ganzen Rundgang zu wiederholen, ergänzen Sie beispielsweise die Voraussetzung für eine bestätigte Terminänderung oder zeigen, wo der gültige Stand gefunden wird.

Hindernisse am Arbeitsplatz passend bearbeiten

Schauen Sie während der eigenen Durchführung hin: Kann die Person die benötigte Information lesen, das Arbeitsmittel bedienen und die Erklärung verstehen? Prüfen Sie gemeinsam, was das Hindernis verursacht. Eine kleine Darstellung, eine störende Geräuschkulisse und eine fehlende organisatorische Entscheidung sind unterschiedliche Probleme und benötigen unterschiedliche Antworten.

Im Beispiel sind drei Anpassungen möglich. Eine zu kleine Ansicht wird am tatsächlichen Bildschirm größer dargestellt. Eine Erklärung, die am belebten Empfang untergeht, findet in einer ruhigen Übungszeit statt. Ein unbekanntes Kürzel wird in der Anleitung ausgeschrieben und erklärt. Die Änderung folgt jeweils der beobachteten Hürde, nicht einer angenommenen Eigenschaft einer Personengruppe.

Jede beobachtete Hürde braucht eine passende Änderung
Ansichtzu kleinDarstellungvergrößernErklärunggeht unterRuhigübenKürzelunbekanntAusschreibenund erklären
Lesbarkeit, Empfangslärm und unbekannte Kürzel werden unterschiedlich bearbeitet und anschließend erneut geprüft.

Erproben Sie die gewählte Anpassung erneut an derselben Aufgabe. Ein größerer Bildschirm hilft nur, wenn die passende Ansicht damit gut nutzbar ist. Eine schriftliche Erklärung braucht einen erreichbaren Ablageort. Eine ruhigere Einführung muss im Kalender Platz haben. Prüfen Sie den vollständigen Zusammenhang, statt die Bereitstellung eines Gegenstands bereits als erledigte Einarbeitung zu verbuchen.

Wenn eine Maßnahme zusätzliche technische oder organisatorische Abstimmung braucht, benennen Sie die zuständige Person und den nächsten Termin. Die neue Kollegin sollte wissen, wie sie bis dahin mit der betreffenden Aufgabe umgeht. Lassen Sie einen offenen Punkt nicht als persönlichen Mangel stehen. Das Team hat eine konkrete Arbeitsbedingung entdeckt, die es nun bearbeiten kann.

Für schwerbehinderte Beschäftigte nennt § 164 Absatz 4 SGB IX neben erforderlichen technischen Arbeitshilfen auch die behinderungsgerechte Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsumfeld, Arbeitsorganisation und Arbeitszeit. Bei der Umsetzung können Bundesagentur für Arbeit und Integrationsämter unterstützen. Prüfen Sie deshalb am konkreten Ablauf auch die Rahmenbedingungen: Ist die ruhige Übungszeit im Dienstplan tatsächlich frei? Liegt die benötigte Information am Arbeitsplatz bereit? Diese gesetzliche Regelung bezieht sich auf schwerbehinderte Beschäftigte; die Fragen helfen, eine vereinbarte Anpassung im Alltag nachvollziehbar zu prüfen.

Wenn ein Einstieg schwerbehinderter Beschäftigter Unterstützung braucht, kann der Integrationsfachdienst einbezogen werden. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt den Integrationsfachdienst (IFD) als Ansprechpartner für Arbeitgeber. Er kann schwerbehinderte Menschen auf den Arbeitsplatz vorbereiten und am Arbeitsplatz oder beim Training begleiten. Der IFD arbeitet mit dem Betrieb und der betroffenen Person zusammen und unterstützt im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit, der Integrationsämter oder der Rehabilitationsträger. Fragen Sie beim örtlichen IFD, ob und wie er den konkreten Einstieg begleiten kann.

Rückfragen und Teamkontakt erreichbar machen

Eine neue Person muss Fragen stellen können, ohne ihren ersten Eindruck ständig gegen die laufende Hektik abzuwägen. Benennen Sie deshalb eine Ansprechperson und eine Vertretung. Erklären Sie, welche Frage sofort geklärt wird und welche in die vorbereitete Rückfragezeit gehört. Auch die erfahrene Kollegin braucht dafür tatsächlich verfügbare Zeit.

Verbinden Sie kurze Gespräche mit einem bekannten schriftlichen Weg. Manche Fragen entstehen erst beim Nachlesen; andere lassen sich im Gespräch leichter erklären. Die neue Person kann den Vorgang, den bereits erledigten Schritt und die offene Stelle notieren. Beim nächsten Austausch wird genau diese Stelle betrachtet. Eine allgemeine Frage wie „Kommst du zurecht?“ reicht dafür oft nicht aus.

Stellen Sie die Kollegin mit ihrer Rolle und ihren vorgesehenen Aufgaben vor. Verweisen Sie nicht auf persönliche Merkmale als Erklärung ihrer Fähigkeiten. Für die Zusammenarbeit ist hilfreich, wer welche Terminabschnitte übernimmt und wie eine Übergabe erfolgt. Ein Teamkontakt zu den tatsächlich beteiligten Rollen schafft mehr Orientierung als eine einmalige große Vorstellungsrunde ohne anschließenden Arbeitsbezug.

Beziehen Sie auch Pausen und kurze informelle Kontakte ein. Zeigen Sie, wo und wann das Team zusammenkommt und wie die neue Person teilnehmen kann. Die Teilnahme soll zum vereinbarten Arbeitsrahmen passen. Wer am ersten Tag eine zusätzliche private Veranstaltung nicht besucht, liefert damit keine Aussage über die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Die erste Woche mit drei Rückmeldungen begleiten

Vor dem Start werden Aufgabe, Arbeitsmittel und Ansprechperson bestätigt. Am ersten Tag folgt der gemeinsame Durchgang. In der Mitte der Woche führt die neue Person die Aufgabe selbst aus und benennt konkrete Hindernisse. Am Ende der Woche prüfen Sie die vereinbarten Anpassungen und den nächsten Lernschritt. Diese Stationen lassen sich in den tatsächlichen Dienstplan einordnen.

Vier Stationen bringen die erste Woche in den Dienstplan
1Vor dem StartArbeitsmittel und Kontakt bestätigen2Am ersten TagAufgabe gemeinsam durchgehen3In der WochenmitteSelbst ausführen und Hürde benennen4Zum WochenendeAnpassung und nächsten Schritt prüfen
Gemeinsamer Durchgang, eigene Durchführung und Wochenabschluss liefern konkrete Rückmeldungen zur Aufgabe.

Besprechen Sie dabei drei Fragen: Was konnte bereits selbst erledigt werden? Wo lag die konkrete Hürde? Welche Änderung hilft beim nächsten Durchgang? Die Antworten müssen nicht umfangreich sein. „Die Ansicht war lesbar, aber der bestätigte Terminstand fehlte in der Übergabe“ nennt einen bearbeitbaren Punkt. Die Person braucht dann eine klarere Übergaberegel, nicht eine pauschale neue Technikschulung.

Holen Sie auch die Rückmeldung der begleitenden Kollegin ein. Vielleicht war die Erklärung vorbereitet, ihre Zeit wurde aber regelmäßig mit anderen Aufgaben belegt. Dann gehört die Änderung in die Planung der Praxis. Eine Einarbeitung, die neben voller Behandlung und Empfang spontan stattfinden soll, schafft vermeidbare Hindernisse für beide Seiten.

Vereinbaren Sie zum Wochenabschluss nur die tatsächlich nächsten Aufgaben. Ein bekannter Arbeitsweg kann selbstständig übernommen werden; ein offener wird erneut mit Begleitung durchgeführt. Halten Sie außerdem fest, wann eine Anpassung wieder betrachtet wird. So bleibt die individuelle Vereinbarung aktuell, wenn die Rolle oder der Arbeitsplatz später erweitert wird.

Den Einstieg am eigenen Praxisweg ausprobieren

Wählen Sie für den ersten Durchgang einen Vorgang, der zur vorgesehenen Rolle gehört, zum Beispiel eine Terminänderung mit anschließender Rückmeldung. Gehen Sie vom Ausgangspunkt bis zur Übergabe an die nächste Rolle. Dabei wird sichtbar, welche Ansicht gebraucht wird, welche Information noch erklärt werden muss und wer für die nächste Handlung zuständig ist.

Die neue Person kann den Arbeitsweg anschließend selbst ausführen und an der konkreten Stelle Rückmeldung geben. Ergänzen Sie Ihre Anleitung, wenn eine Bedingung oder ein interner Begriff noch fehlt. So verbinden Sie das fachliche Lernen mit einer klaren, erreichbaren Hilfe und einer Übergabe, die im tatsächlichen Dienstplan Platz hat.

Ein guter Start zeigt sich an einer nutzbaren Aufgabe und einer erreichbaren Hilfe. Beginnen Sie mit dem Arbeitsweg, fragen Sie nach den Bedingungen der einzelnen Person und prüfen Sie die Wirkung Ihrer Anpassung. So wird Vielfalt im Praxisteam im Alltag konkret: Menschen können mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen an denselben verlässlichen Arbeitsabläufen teilnehmen.

Häufige Fragen

Wie beginne ich eine inklusive Einarbeitung in der Therapiepraxis?

Zeigen Sie zuerst die tatsächlichen Aufgaben und einen typischen Arbeitstag. Fragen Sie die neue Person, was sie benötigt, um diesen Arbeitsweg kennenzulernen und später selbst auszuführen. Vereinbaren Sie passende Arbeitsmittel, eine erreichbare Ansprechperson und konkrete Rückfragezeiten. Prüfen Sie eine zugesagte Anpassung am vorgesehenen Arbeitsplatz.

Wie kann ich Hindernisse beim Einstieg neuer Praxismitarbeiter erkennen?

Beobachten Sie gemeinsam die Durchführung einer überschaubaren Aufgabe. Prüfen Sie, ob die benötigte Information lesbar, das Arbeitsmittel bedienbar und die Erklärung verständlich ist. Eine kleine Ansicht, Empfangslärm und ein unbekanntes Kürzel brauchen unterschiedliche Änderungen. Erproben Sie die gewählte Anpassung danach erneut an derselben Aufgabe.

Welche Rückmeldungen sind in der ersten Praxiswoche hilfreich?

Nach dem gemeinsamen Durchgang am ersten Tag folgt eine eigene Durchführung in der Wochenmitte. Zum Wochenabschluss prüfen Sie Anpassungen und den nächsten Lernschritt. Besprechen Sie jeweils, was bereits selbst erledigt wurde, wo eine konkrete Hürde lag und welche Änderung beim nächsten Durchgang hilft. Berücksichtigen Sie auch die verfügbare Zeit der begleitenden Kollegin.

Welche persönlichen Informationen braucht das Team für eine passende Einarbeitung?

Das Team braucht die für die Zusammenarbeit erforderlichen Arbeitsbedingungen, etwa eine bekannte Rückfragezeit oder eine zusätzlich schriftliche Erklärung. Stimmen Sie mit der neuen Person ab, was dazu weitergegeben wird. Persönliche Erklärungen, die für die vereinbarte Anpassung nicht benötigt werden, gehören nicht in die gemeinsame Vorstellungsrunde.

Wann kann der Integrationsfachdienst die Einarbeitung unterstützen?

Bei schwerbehinderten Beschäftigten kann der Integrationsfachdienst Arbeitgeber beraten und die Person auf den Arbeitsplatz vorbereiten oder beim Training begleiten. Er arbeitet mit dem Betrieb und der betroffenen Person zusammen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt als Auftraggeber die Bundesagentur, Integrationsämter und Rehabilitationsträger. Fragen Sie beim örtlichen IFD, ob eine Begleitung zum konkreten Einstieg passt.

← Alle Blogartikel

Passend zu Ihrem Thema