KI-Kompetenz im Praxisteam lässt sich an einer einzelnen Textprüfung üben: Eine Kollegin markiert eine Aussage im KI-Entwurf, vergleicht sie mit der passenden Praxisinformation und erklärt, ob sie belegt, abweichend oder noch offen ist. Genau diese Schritte machen eine KI-Fortbildung für die Verwaltung einer Physiotherapie-, Ergo- oder Logopädiepraxis anwendbar.
Wenn es um einen Termin geht, kann der easymed-Teamkalender den konkreten Praxisbezug liefern. Er zeigt die Terminplanung in Tages-, Wochen- und Monatsansicht mit einer Spalte je Behandler. Die Kollegin vergleicht die konkrete KI-Aussage mit dem passenden Kalendereintrag und erklärt, was dieser belegt.
Generative KI kann falsche Angaben selbstbewusst formulieren und sogar eine überzeugend klingende, aber fehlerhafte Begründung ergänzen. NIST beschreibt solche „Confabulations“ als Risiko generativer KI. Für die Übung heißt das: Sprachfluss ist kein Beleg; entscheidend ist der Abgleich mit einer passenden Quelle. (NIST, Generative AI Profile)
Eine praktische Lernfrage aus dem Team aufnehmen
Fragen Sie zuerst, an welcher Stelle die Kollegin bei KI-Texten noch unsicher ist. Findet sie eine Aussage, kann deren Grundlage aber nicht erkennen? Bemerkt sie einen Widerspruch, ist aber nicht sicher, welcher Praxisstand gilt? Oder weiß sie, was fehlt, aber nicht, an wen sie sich mit der Rückfrage wenden soll? Eine dieser Fragen reicht als Ausgangspunkt für die Lernrunde.
Im Beispiel fragt die Kollegin: „Wie merke ich, ob die KI unsere Telefonzeiten richtig wiedergibt?“ Die Aufgabe ist damit klar umrissen: Sie soll eine konkrete Angabe zur Erreichbarkeit mit dem bestätigten Stand der Praxis vergleichen. Themen wie Bildgenerierung oder automatischer Versand gehören nicht in diese Übung.
Die aktuelle FAQ der Europäischen Kommission empfiehlt, bei KI-Kompetenzmaßnahmen die Rolle der Beteiligten, ihr Vorwissen, die Risiken des eingesetzten Systems und den jeweiligen Anwendungskontext zu berücksichtigen. Für KI-generierte Texte nennt sie Halluzinationen ausdrücklich als mögliches Risiko. Das spricht dafür, die KI-Fortbildung an einer Verwaltungsaufgabe zu üben, die das Team tatsächlich kennt, statt alle KI-Werkzeuge auf einmal durchzugehen. (EU-Kommission, KI-Kompetenz: Fragen und Antworten)
Die Sammlung der Kommission zeigt unterschiedliche Lernformen, von E-Learning und Präsenztraining bis zu Bootcamps und Austauschformaten. Für den Einstieg können Sie eine kurze gemeinsame Übung wählen und sie bei Bedarf um ein passendes Lernformat ergänzen. (EU-Kommission, Repositorium zu KI-Kompetenzpraktiken)
Vereinbaren Sie ein sichtbares Lernziel: Die Kollegin kann den betroffenen Satz nennen, die passende Grundlage zeigen und den Unterschied in eigenen Worten erklären. Bei einer Lücke soll sie benennen, welche Information fehlt und welche Rückfrage als Nächstes hilft. So lässt sich später an der Erklärung erkennen, welche Fähigkeit bereits sitzt und welcher Schritt noch geübt werden sollte.
Eine kurze Grundlage und einen einzelnen Satz bereitlegen
Legen Sie die für die Übung benötigten Angaben vorab fest. Im Beispiel ist der Empfang von 8.30 bis 12 Uhr besetzt; die vereinbarte Telefonzeit lautet 9 bis 11 Uhr. Im betrachteten Entwurf steht dagegen: „Sie erreichen uns telefonisch von 8.30 bis 12 Uhr.“ Die beiden Zeitangaben gehören zu unterschiedlichen organisatorischen Aufgaben.
Zeigen Sie die Information, die genau diese Aussage beantworten kann. Für die Frage nach telefonischer Erreichbarkeit ist die bestätigte Telefonzeit maßgeblich; die Besetzung des Empfangs beantwortet eine andere Frage. Die Kollegin sollte nicht aus einer ähnlichen oder benachbarten Angabe auf den fehlenden Sachverhalt schließen.
Klären Sie vor dem Start, welcher aktuelle Stand als Grundlage gilt. Gibt es zwei unterschiedliche Angaben, wird zunächst festgelegt, welche davon die zuständige Person bestätigt hat. Sonst würde die Kollegin einen Entwurf mit einer unklaren Quelle vergleichen und könnte den Prüfschritt kaum nachvollziehbar erklären.
Für die erste KI-Textprüfung genügt eine organisatorische Formulierung wie die Öffnungs- oder Telefonzeit. Ein Behandlungsverlauf ist für diese Lernaufgabe nicht erforderlich. Sie können einen vorhandenen Satz verwenden oder die Beispielangabe aus der Übung einsetzen; ein neuer KI-Auftrag ist nicht nötig.
Die Kollegin den Vergleich selbst durchführen lassen
Bitten Sie die Kollegin, die genaue Behauptung im Entwurf zu markieren. Fragen Sie dann: „Welche Information müsste diese Aussage belegen?“ und „Welche Zeile in der Grundlage beantwortet genau diese Frage?“ So trennt sie den konkreten Inhalt von einer bloß ähnlich klingenden Angabe.
Im Beispiel findet sie die Telefonzeit von 9 bis 11 Uhr und vergleicht sie mit der längeren Besetzung des Empfangs. Lassen Sie ihr Zeit, den Zusammenhang selbst zu erklären, bevor Sie eine Formulierung vorgeben. Ihre Begründung zeigt, ob sie den Unterschied erkannt hat.
Im Beispiel erklärt sie: „Der Entwurf hat die Anwesenheit am Empfang als Telefonzeit verwendet. Für den Anruf ist aber die bestätigte Telefonzeit relevant.“ Anschließend schlägt sie vor, den Satz anhand dieser Angabe zu ändern. Ihre Erklärung macht den Prüfschritt sichtbar, statt nur ein Wort durch ein anderes zu ersetzen.
Fehlt die Telefonzeit in der Grundlage, endet der Vergleich zunächst mit einer offenen Frage. Die Kollegin hält fest, welche Information fehlt, und fragt die zuständige Person nach dem bestätigten Stand. Eine längere Empfangszeit ist kein Beleg für die Dauer der telefonischen Erreichbarkeit.
Lassen Sie nach der Korrektur auch den kurzen Textzusammenhang lesen. Der Satz zur telefonischen Erreichbarkeit und ein direkt anschließender Hinweis sollten dieselbe bestätigte Zeit verwenden. Damit prüft die Kollegin nicht nur ein einzelnes Wort, sondern sieht, ob die Aussage im Abschnitt insgesamt stimmt.
Rückmeldung zum Prüfschritt statt zur Person geben
Geben Sie Rückmeldung zu beobachtbaren Handlungen: Hat die Kollegin die Aussage genau benannt, die passende Grundlage gefunden und den Unterschied verständlich erklärt? Sagen Sie konkret, welcher Schritt nachvollziehbar war. Eine solche Rückmeldung hilft ihr, denselben Ablauf bei der nächsten KI-Textprüfung bewusst wieder anzuwenden.
Fehlt noch ein Teil, stellen Sie eine Frage, die genau dort ansetzt. Wenn die Kollegin beide Zeitangaben kennt, aber ihre Bedeutung vermischt, fragen Sie, welche Information eine anrufende Person tatsächlich wissen möchte. Wenn sie den Unterschied erkannt hat, aber nicht weiß, wie mit der Lücke umzugehen ist, lassen Sie sie die zuständige Ansprechperson und ihre Rückfrage benennen.
Für die kurze Nachbesprechung genügen vier Stichworte: Aussage, Grundlage, Ergebnis und nächster Schritt. Daran kann das Team später erkennen, welche konkrete Verwaltungsfrage als Übung bereits bearbeitet wurde. Die Notiz ersetzt nicht den Quellenabgleich bei einem neuen Text, macht aber die passende Lernfrage leicht wieder auffindbar.
Den Vergleich an einer zweiten Aufgabe erproben
Wählen Sie danach eine andere Verwaltungsaufgabe, die dieselbe Prüffähigkeit verlangt. Die Kollegin soll einen neuen Sachverhalt beurteilen, damit sie nicht nur die Uhrzeiten aus dem ersten Beispiel wiederholt. Eine kurze Notiz zum Eingang eines Dokuments eignet sich dafür.
Sie nimmt die Aussage „bereits geprüft“ heraus und vergleicht sie mit dem dokumentierten Eingang. Die passende Rückfrage betrifft jetzt die tatsächlich erfolgte Prüfung. Damit überträgt sie das Gelernte auf eine andere organisatorische Bedeutung. Es geht nicht mehr um Uhrzeiten, sondern darum, welche Arbeit aus dem vorhandenen Stand hervorgeht.
Bitten Sie die Kollegin auch hier, ihre Begründung und den nächsten Schritt zu nennen. Kann sie erklären, was die vorhandene Angabe belegt und welche zusätzliche Information fehlt? Findet sie die Person, die den Bearbeitungsstand bestätigen kann? Diese Antwort zeigt, ob sie den Vergleich auch auf einen neuen administrativen Zusammenhang anwendet.
Wenn dieser zweite Fall noch nicht gelingt, verkleinern Sie zunächst die Aussage. Markieren Sie nur „bereits geprüft“ und betrachten Sie die Eintragszeile zum Eingang. Anschließend lesen Sie den kurzen Text wieder als Ganzes. So bleibt klar, welcher einzelne Prüfschritt noch Übung braucht.
Die Übung mit der nächsten Praxisaufgabe verbinden
Vereinbaren Sie, wo die Kollegin den Prüfschritt als Nächstes anwenden kann. Bei einer Aussage zu Terminen ist der aktuelle easymed-Teamkalender ein konkreter Praxisbezug: Die Tages-, Wochen- und Monatsansicht sowie die Spalten je Behandler helfen, eine Angabe mit dem passenden Terminstand zu vergleichen. Bei anderen Verwaltungstexten dient die dafür zuständige, bestätigte Information als Grundlage.
Die Kollegin kann ihren Prüfschritt in einem Satz erklären: „Diese Aussage wird durch diese Angabe gestützt“, „Hier widerspricht der Text der Grundlage“ oder „Dafür fehlt noch eine Bestätigung.“ Das macht die nächste Handlung verständlich und gibt der begleitenden Person einen konkreten Punkt für Rückmeldung.
Eine kleine, wiederholbare Übung verbindet damit die KI-Textprüfung mit einer wirklichen Aufgabe aus dem Praxisteam. Beginnen Sie mit einer Frage, vergleichen Sie einen Satz mit seiner Grundlage und lassen Sie die Kollegin den Schluss selbst erklären. Eine zweite Aufgabe zeigt, ob sie diesen Lernschritt im nächsten Verwaltungsfall wiederfindet.