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Team und Zusammenarbeit

Quiet Quitting? Den Feierabend konkret besprechen

Pünktlicher Feierabend ist für sich allein kein Quiet Quitting. Prüfen Sie geplante Arbeitszeiten, vereinbarte Aufgaben und spontane Gesprächswünsche im Praxisteam.

easymed.digital Redaktion 6 Min. Lesezeit
Zwei Männer besprechen an einem Holztisch ein einzelnes Blatt in einem ruhigen Praxisraum

Eine Physiotherapeutin beendet ihre Arbeit um 16 Uhr, während eine Kollegin am Empfang noch bis 17 Uhr eingeplant ist. Ist das schon Quiet Quitting? Für sich allein zeigt der frühere Feierabend zunächst nur unterschiedliche Arbeitszeiten. Der Begriff wird in der Forschung nicht einheitlich verwendet: Eine europäische Befragung von 108 Wissensarbeitenden untersuchte Quiet Quitting als Bündel aus weniger Einsatz, Rückzug, Distanzierung und Grenzziehung. Die Autoren halten es für hilfreicher, diese einzelnen Verhaltensweisen zu betrachten, statt sie mit einem Sammelbegriff zu erklären (Armstrong und Pfandler, Employee Relations, 2024). Aus einer Uhrzeit allein lässt sich die Motivation einer Kollegin daher nicht ablesen.

Ein konkretes Führungsgespräch beginnt mit drei Fragen: Welche Aufgabe war vereinbart? Was war im geplanten Arbeitsabschnitt zu erledigen? Welche Erwartung wurde vielleicht nicht ausgesprochen? Wenn Ihre Praxis easymed nutzt, bietet der Teamkalender einen gemeinsamen Blick auf Arbeitszeiten und Termine je Behandlerin; die Behandlungsdokumentation wird dem jeweiligen Termin zugeordnet. Das schafft einen sachlichen Ausgangspunkt für das Gespräch. Die noch offene Frage klären Leitung und Mitarbeiterin anschließend miteinander.

Den beobachteten Vorgang ohne Motivationsurteil beschreiben

Notieren Sie zunächst, was Sie selbst wahrgenommen haben. Die Kollegin verließ die Praxis am Dienstag um 16 Uhr. Eine andere Person arbeitete noch am Empfang. Daraus folgt zunächst eine unterschiedliche Anwesenheit. Ob die Therapeutin ihren vorgesehenen Arbeitstag abgeschlossen hat, wird am zugehörigen Plan und den vereinbarten Aufgaben betrachtet.

Im Beispiel ist die Therapeutin von 8 bis 16 Uhr eingeteilt. Die Empfangskollegin arbeitet von 9 bis 17 Uhr. Beide beenden ihren jeweiligen geplanten Abschnitt. Der frühere Feierabend der Therapeutin beschreibt hier keinen kürzeren Einsatz gegenüber der anderen Person. Die unterschiedlichen Anfangszeiten gehören zum selben Vergleich wie die sichtbaren Endzeiten.

Die frühere Endzeit gehört zu einem früher beginnenden Plan
Geplante Anwesenheitsbänder von acht bis sechzehn und neun bis siebzehn UhrBeginn und Ende zusammen ansehen89121617TherapeutinEmpfang8–16 Uhr und 9–17 UhrZwei unterschiedlich geplante AbschnitteDer Blick auf die Endzeit reicht nicht aus
Im Beispiel endet die Therapeutin ihren geplanten Abschnitt um 16 Uhr, die Empfangskollegin um 17 Uhr. Die gemeinsame Skala zeigt auch die unterschiedlichen Anfangszeiten.

Wenn Sie ein Ergebnis vermissen, halten Sie genau dieses fest: etwa „Der vereinbarte Rückruf ist noch offen.“ Fragen Sie dann, wer den Auftrag übernommen hatte und bis wann er gebraucht wurde. Aussagen wie „Sie interessiert sich nicht mehr für die Praxis“ beschreiben keine beobachtbare Aufgabe und führen deshalb nicht direkt zu einem nächsten Arbeitsschritt.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfiehlt, Aufgaben so zu organisieren, dass sie in der vorgesehenen Zeit mit den nötigen Informationen und Mitteln erledigt werden können. Auch Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume sollen klar sein. Prüfen Sie deshalb bei einer offenen Aufgabe vier konkrete Punkte: War sie der Person zugeordnet, war der Zeitpunkt bekannt, lagen die benötigten Informationen vor und war dafür im Tagesplan Zeit vorgesehen? Je nach Antwort ändern Sie die Absprache, stellen die Information bereit oder planen die Aufgabe anders ein.

Den vereinbarten Tag einschließlich des Abschlusses ansehen

Gehen Sie den betreffenden Tag mit der Kollegin durch. Welche Aufgaben waren vorgesehen, welche wurden ausgeführt und an welcher Stelle endet der Arbeitsabschnitt? Betrachten Sie Behandlung, Dokumentation und organisatorischen Abschluss zusammen. Nur die letzte sichtbare Behandlung zu zählen lässt die anschließende Arbeit aus dem Blick geraten.

Im Beispiel liegt der letzte Behandlungstermin am Dienstag von 15.15 bis 15.45 Uhr. Von 15.45 bis 16 Uhr ist der vorgesehene Dokumentations- und Abschlussabschnitt eingeplant. Die Kollegin erklärt, welche Arbeit sie dort erledigt hat und wo die dafür benötigte Information zu finden ist. Der Arbeitstag endet anschließend um 16 Uhr.

Der eingeplante Abschluss folgt auf den letzten Behandlungstermin
Letzte Behandlung und anschließender dokumentarischer Abschluss vor dem geplanten FeierabendBehandlung und Abschluss15.1515.4516 UhrBehandlungDoku.Dokumentation und Organisationgehören zum vorgesehenen TagDanach: geplantes Ende um 16 Uhr
Die letzte Behandlung dauert im Beispiel von 15.15 bis 15.45 Uhr. Der anschließende Dokumentations- und Abschlussabschnitt bis 16 Uhr wird als eigener Teil des geplanten Tages sichtbar.

Der Kalender zeigt, welche Termine und Arbeitszeiten vorgesehen waren. Die Dokumentation hilft, den Eintrag zur Behandlung am jeweiligen Termin zu finden. Nutzen Sie diese Ansichten für den konkreten Tag, falls sie die Frage beantworten. Ein spontaner Austausch nach dem letzten Termin ist eine eigene Abstimmung; er wird nicht dadurch zu einer vereinbarten Aufgabe, dass die Leitung ihn im Nachhinein erwartet.

Fehlt ein Ergebnis, klären Sie den betreffenden Auftrag. War der Zeitpunkt bekannt? Stand die notwendige Information bereit? Wurde die Aufgabe tatsächlich dieser Person übertragen? Ging die Leitung von einer Absprache aus, die nie ausgesprochen wurde, braucht es eine klare Vereinbarung. War ein bekannter Auftrag offen, besprechen Sie mit der zuständigen Person, was den Abschluss verhindert hat und wie die Aufgabe weitergeführt wird.

Die eigene Erwartung im Gespräch offenlegen

Beginnen Sie das Gespräch mit Ihrer Beobachtung und der Frage dahinter. „Sie sind am Dienstag um 16 Uhr gegangen. Ich möchte prüfen, ob wir den Abschluss des Tages gleich verstanden haben“ ermöglicht eine konkrete Antwort. Die Kollegin kann den vereinbarten Rahmen beschreiben, ohne zuerst ein pauschales Urteil über ihre Motivation zurückweisen zu müssen.

Die Leitung benennt im Beispiel, dass sie nach dem letzten Termin noch einen spontanen Austausch erwartet hatte. Dieser Austausch war weder angekündigt noch in den Arbeitsabschnitt eingeplant. Die Therapeutin erklärt, dass sie den vorgesehenen Abschluss durchgeführt und anschließend mit dem Ende um 16 Uhr gerechnet hat. Beide Seiten sehen nun, worin die unterschiedliche Erwartung lag.

Das Gespräch verbindet die Beobachtung mit beiden Erwartungen
Zwei ausgesprochene Erwartungen zu spontanem Austausch und erledigtem TagesabschlussDie Erwartung aussprechenLeitungSpontaner Austauschwar gewünschtTherapeutinAbschluss erledigtEnde um 16 UhrWar dieser Austausch vorher vereinbart?Den Anlass konkret gemeinsam klären
Die Leitung wollte einen unangekündigten Austausch; die Therapeutin hatte den vorgesehenen Abschluss erledigt. Die ausgesprochene Differenz macht die eigentliche Gesprächsfrage sichtbar.

Fragen Sie anschließend offen: „Was war für Sie an diesem Tag als Abschluss vorgesehen?“ Wenn es um ein Gespräch geht, benennen Sie dessen Anlass und vereinbaren Sie einen Zeitpunkt, an dem beide teilnehmen können. Wenn eine Aufgabe offen ist, fragen Sie nach dem konkreten Hindernis und danach, welche Information oder Entscheidung für den nächsten Schritt fehlt.

Halten Sie das Ergebnis eng an der Ausgangsfrage. Eine bestätigte Aufgabe erhält bei Bedarf einen neuen Termin oder eine andere Zuständigkeit. Ein zusätzlich gewünschter Austausch wird angekündigt und eingeplant. Eine allgemeine Aufforderung, künftig mehr Einsatz zu zeigen, würde weder den Auftrag noch die Erwartung verständlicher machen.

Ein tatsächliches Problem von einer ungeplanten Erwartung unterscheiden

Im ersten möglichen Ergebnis liegen Dokumentation und organisatorischer Abschluss wie vereinbart vor. Offen ist nur der unangekündigte Gesprächswunsch der Leitung. Für diesen Austausch benennt sie die Frage vorher und vereinbart mit der Therapeutin einen passenden Zeitpunkt.

Im zweiten Ergebnis fehlt eine bekannte, übertragene Aufgabe. Dann geht es nicht um die Endzeit, sondern um diesen Arbeitsauftrag: Was war zu tun, wann wurde es gebraucht und welche Information oder Zeit stand dafür bereit? Eine fehlende Unterlage, eine widersprüchliche Anweisung und eine vergessene Aufgabe verlangen unterschiedliche nächste Schritte. Vereinbaren Sie am Ende, wer die Aufgabe übernimmt und wann Sie den Stand wieder ansehen.

Wenn ähnliche offene Punkte wiederkehren, prüfen Sie den Arbeitsablauf über mehrere Tage: Werden Aufgaben erst am Ende eines Behandlungstages verteilt? Ist der Abschlussabschnitt regelmäßig mit Terminen belegt? Sind Zuständigkeiten bei Übergaben verständlich? Eine wiederkehrende organisatorische Lücke lässt sich besser durch klare Planung lösen als durch die Bewertung einer einzelnen Person.

Die bestätigte Erkenntnis gegenüber dem Team verwenden

Wurde im Team bereits von Quiet Quitting gesprochen, stellen Sie den beobachteten Zusammenhang richtig: Im Beispiel beginnen die beiden Arbeitsabschnitte zu unterschiedlichen Zeiten und enden deshalb auch unterschiedlich. Ob eine vereinbarte Aufgabe erledigt wurde, wird an genau dieser Aufgabe betrachtet. Für die Klärung der persönlichen Erwartung braucht das Team keine Einzelheiten aus dem Gespräch.

Fragen sich mehrere Personen, ob sie nach dem letzten Termin noch für spontane Gespräche bleiben sollen, gehört diese Erwartung in die gemeinsame Planung. Legen Sie fest, welche Abstimmungen regelmäßig gebraucht werden und wo sie im Tagesablauf Platz haben. So kennt das Team den Anlass und kann seine Arbeitszeit passend planen.

Beim nächsten Anlass auf die geklärte Frage zurückkommen

Prüfen Sie beim nächsten vergleichbaren Tag nur den vereinbarten Punkt: Ist der Dokumentationsabschluss auffindbar? Wurde das Gespräch rechtzeitig angesetzt? Ist klar, wer eine offene Aufgabe übernimmt? Damit sehen beide Seiten, ob ihre Vereinbarung im Alltag funktioniert. Tritt ein anderer Vorgang auf, besprechen Sie diesen anhand seiner eigenen Fakten.

easymed verbindet Arbeitszeiten und Termine je Behandlerin im Teamkalender mit der Dokumentation am jeweiligen Behandlungstermin. Sehen Sie sich den Praxisablauf in easymed an und nutzen Sie den gemeinsamen Plan als Grundlage für ein konkretes Führungsgespräch über Arbeitszeit, Aufgaben und den nächsten Schritt.

Häufige Fragen

Ist pünktlicher Feierabend in der Therapiepraxis schon Quiet Quitting?

Nein. Der Feierabend um 16 Uhr zeigt zunächst nur den geplanten Arbeitsabschnitt. Im Beispiel arbeitet die Therapeutin von 8 bis 16 Uhr, die Empfangskollegin von 9 bis 17 Uhr. Beurteilen Sie vereinbarte Aufgaben anhand der Absprachen und nicht anhand der Endzeit allein.

Wie spreche ich eine unterschiedliche Feierabenderwartung im Praxisteam an?

Benennen Sie den beobachteten Vorgang und Ihre konkrete Erwartung. Fragen Sie die Kollegin, was sie als Tagesabschluss verstanden hat. Geht es um einen zusätzlichen Austausch, nennen Sie dessen Anlass und vereinbaren Sie einen passenden Zeitpunkt.

Was prüfe ich, wenn beim Tagesabschluss eine Aufgabe fehlt?

Klären Sie, wer den Auftrag übernommen hatte, bis wann er gebraucht wurde und ob Informationen und Zeit dafür bereitstanden. Vereinbaren Sie anschließend, wer die Aufgabe fortführt und wann Sie den Stand erneut ansehen.

Wie kann easymed das Führungsgespräch zum Feierabend unterstützen?

Mit easymed sehen Sie Arbeitszeiten und Termine je Behandlerin im Teamkalender sowie die Behandlungsdokumentation am jeweiligen Termin. So können Sie den geplanten Tagesablauf gemeinsam ansehen und eine konkrete offene Aufgabe besprechen.

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