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Abrechnung und Finanzen

Altersvorsorge neben der eigenen Praxis: Vermögen und Risiken breiter verteilen

Vermögensaufbau neben eigener Praxis: Erfassen Sie Praxis, Immobilie, Rentenansprüche und Liquidität getrennt. Prüfen Sie Anlagezeit, Risiken, Verfügbarkeit und Kosten.

easymed.digital Redaktion 8 Min. Lesezeit
Verschiedene junge Pflanzen stehen in getrennten Keramikgefäßen auf einem sonnigen Regal.

Eine eigene Praxis bündelt Einkommen, berufliche Fähigkeiten und einen Teil des eingesetzten Kapitals an einem Ort. Für den Vermögensaufbau neben der eigenen Praxis lohnt deshalb ein Blick auf die gesamte Versorgung: Wie viel hängt vom Praxisstandort ab, welche Zahlungen sind bereits verlässlich geplant und was soll kurzfristig verfügbar sein?

Beginnen Sie mit einer Übersicht statt mit der Auswahl eines Produkts. Führen Sie Praxiswert, Praxisimmobilie, private Geldanlagen, Schulden und künftige Rentenzahlungen getrennt auf. So erkennen Sie, welche Positionen heute Kapital darstellen und welche erst später als regelmäßige Einnahmen zur Verfügung stehen.

Im laufenden Praxisalltag bündelt easymed Terminplanung, Patientenakten und Abrechnung mit der Übersicht offener Rechnungen in einer Praxissoftware. Ihre persönliche Vorsorgeübersicht ergänzen Sie daneben um Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Anlagezeiträume und Rentenansprüche.

Die Praxis im vollständigen Vermögensbild erfassen

Erstellen Sie eine Übersicht mit Vermögen, Schulden und vorhandenen Rentenansprüchen. Für die Praxis verwenden Sie eine nachvollziehbar bezeichnete Wertannahme. Bei einer Immobilie wird die bestehende Finanzierung daneben geführt. Freie Kontoguthaben und langfristig gebundene Verträge stehen in eigenen Zeilen, weil sie unterschiedlich verfügbar sind.

Im Beispiel enthält die Übersicht 180.000 Euro angenommener Praxiswert, 120.000 Euro Immobilienwert nach zugeordneter Restschuld und 100.000 Euro weiteres Vermögen. Zusammen sind das 400.000 Euro. Die ersten beiden Positionen machen 300.000 Euro oder 75 Prozent aus und sind beide an denselben Praxisstandort gebunden.

Den gemeinsamen Standortbezug sichtbar machen
BeispielPraxiswert180.000 €Immobilie nach Schuld120.000 €Weiteres Vermögen100.000 €
Praxis und Immobilie: 300.000 von 400.000 Euro erfasstem Kapitalvermögen hängen im Beispiel am selben Standort.

Die 75 Prozent beziehen sich auf die drei erfassten Kapitalpositionen im Beispiel. Künftige Rentenzahlungen stehen daneben als erwartete Monatseinnahmen. Diese Trennung verhindert, dass ein Anspruch für später mit Geld verwechselt wird, das heute für eine Ausgabe oder neue Anlage bereitsteht.

Die Konzentration ist auch dann sichtbar, wenn zwei Vermögensgegenstände in der Übersicht stehen. Sinkt die Nachfrage am Standort, kann das den Betrieb und eine dort genutzte oder vermietete Immobilie zugleich betreffen. Die laufende Vergütung der Inhaberin oder des Inhabers hängt ebenfalls vom Praxisbetrieb ab. Markieren Sie diesen gemeinsamen Bezug, statt nur die Anzahl der Positionen zu vergleichen.

Beschriften Sie angenommene Praxis- und Immobilienwerte mit ihrem Stichtag und ihrer Grundlage. Eine Restschuld gehört zum zugehörigen Objekt; der Immobilienwert in der Vermögensübersicht ist der Betrag nach dieser Schuld. Ein erwarteter Praxisverkauf ist bis zum tatsächlichen Übergang noch kein verfügbares Guthaben. Er bleibt als mögliche spätere Position erfasst, erfüllt aber nicht die Aufgabe einer heutigen Reserve.

Ziele nach dem Zeitpunkt des Geldbedarfs trennen

Teilen Sie geplante Zahlungen in kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Bedarf. Maßgeblich ist, wann das Geld voraussichtlich gebraucht wird und wie flexibel der Termin ist. Eine Reserve für die nächsten Monate hat eine andere Aufgabe als Vermögen für einen erst später beginnenden Ruhestand.

Im Beispiel werden 18.000 Euro als private Ausfallreserve, 32.000 Euro für einen in einigen Jahren geplanten Übergang und 50.000 Euro als langfristiger Vermögensbaustein geführt. Zusammen entsprechen diese Aufgaben den 100.000 Euro weiteren Vermögens. Die Aufteilung beschreibt den Zeitbedarf und noch keine Produktauswahl.

Geld nach seinen Aufgaben ordnen
18.000 €Private Ausfallreserve32.000 €Späterer Übergang50.000 €Langfristiger Aufbau
Die Beträge werden nach kurzfristigem, mittlerem und langfristigem Bedarf geführt.

Notieren Sie für jede Aufgabe sowohl den Zielbetrag als auch den heute vorhandenen Bestand. Die Differenz zeigt, was noch aufgebaut werden soll. Geplante Verkaufserlöse oder künftige Beiträge kommen erst dann zum verfügbaren Bestand hinzu, wenn sie tatsächlich eingegangen sind.

Trennen Sie eine private Reserve von der Liquidität, die der Praxis für laufende Verpflichtungen oder bereits geplante Anschaffungen dient. Wird derselbe Kontostand zugleich für beide Zwecke eingerechnet, ist der Puffer in der Planung doppelt verplant. Eine klare Zuordnung zeigt, welcher freie Betrag für persönliche Vorsorge übrigbleibt.

Ergänzen Sie zu jeder Aufgabe die erforderliche Verfügbarkeit. Muss ein Betrag zu einem festen nahen Termin abrufbar sein, passt eine langfristige Bindung möglicherweise nicht zu diesem Zweck. Bei einem verschiebbaren Ziel besteht mehr Zeit, Schwankungen auszusitzen. Fragen Sie deshalb vor jeder Zuordnung, wann Sie das Geld brauchen und ob ein vorübergehender Rückgang des Werts mit dem geplanten Entnahmetermin vereinbar wäre.

Gesetzliche Rentenansprüche als künftige Einnahmen einordnen

Auch bei einer selbstständigen Praxis ergibt sich der Rentenstatus nicht allein aus der Bezeichnung „selbstständig“. Die Deutsche Rentenversicherung nennt unter den selbstständigen Pflegepersonen Physiotherapeutinnen, Physiotherapeuten und Ergotherapeutinnen sowie Ergotherapeuten, wenn sie überwiegend auf ärztliche Anordnung arbeiten. Weitere Voraussetzungen, darunter die Beschäftigung von Mitarbeitenden, können für die Einordnung wichtig sein. Prüfen Sie deshalb Ihren tatsächlichen Versicherungsstatus und die im Versicherungskonto erfassten Zeiten. Die Deutsche Rentenversicherung erläutert die Voraussetzungen für selbstständige Tätigkeiten.

Wenn Sie eine Renteninformation erhalten, lesen Sie sowohl die erworbenen Ansprüche als auch die Hochrechnung für den Rentenbeginn. Die Prognose setzt Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre voraus. Die DRV versendet diese Information automatisch an Versicherte ab 27 Jahren mit mindestens fünf Jahren Beitragszeiten; für den gespeicherten Versicherungsverlauf gibt es eigene Auskünfte. Die DRV erklärt Inhalt und Annahmen der Renteninformation.

Die dort ausgewiesenen Rentenbeträge sind Bruttowerte. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie mögliche Steuern sind noch zu berücksichtigen; außerdem berücksichtigt die Hochrechnung den Kaufkraftverlust nicht. Tragen Sie daher den erwarteten Monatsbetrag getrennt vom Kapital ein und vergleichen Sie ihn mit Ihren geplanten späteren Ausgaben. Eine aktualisierte Renteninformation kann damit eine bessere Grundlage für die Versorgungsübersicht bilden als eine grobe Schätzung aus dem heutigen Einkommen.

Streuung auf der Ebene der tatsächlichen Risiken beurteilen

Mehrere Konten oder Verträge bedeuten nicht automatisch breit verteilte Risiken. Prüfen Sie die Anlagegegenstände, Regionen und wirtschaftlichen Faktoren hinter den Positionen. Verschiedene Produktnamen können dieselben Unternehmen oder Immobilienmärkte enthalten; eine Praxis und die eigene Praxisimmobilie können vom selben lokalen Umfeld abhängen.

Die BaFin stellt unterschiedliche Wege der Altersvorsorge vor. Dazu gehören unter anderem private Rentenversicherungen, Fonds, ETFs und Immobilien. Welche Form passt, hängt laut BaFin von persönlicher Lebenssituation und Anlagestrategie ab. Nutzen Sie die Informationen zum Produkt, um Anlageinhalt, Risiken, Verfügbarkeit und Kosten zu vergleichen, statt von der Produktart allein auf eine breite Streuung zu schließen.

Ein konkretes Beispiel ist ein offener Immobilienfonds: Er kann Anlagen auf mehrere Immobilien, Regionen und Nutzungsarten verteilen. Das kann das Risiko gegenüber einer einzelnen Immobilie mindern, macht die Anlage aber nicht wertstabil. Fonds bleiben von der wirtschaftlichen Lage ihrer Standorte abhängig, und die Rückgabe ist nicht jederzeit möglich. Die BaFin beschreibt Chancen, Risiken, Kosten und Rückgabebedingungen offener Immobilienfonds.

Für die eigene Übersicht folgt daraus eine konkrete Frage: Welche Abhängigkeit verschwindet tatsächlich, wenn Sie einen weiteren Baustein hinzufügen? Ein Fonds kann einzelne Immobilien und Regionen streuen, während Ihr Gesamtvermögen weiterhin stark von Immobilien oder dem Praxisstandort geprägt ist. Das ist eine Schlussfolgerung aus den jeweiligen Anlageinhalten und kein Versprechen über den Verlauf eines Produkts.

Prüfen Sie anschließend ein einfaches Szenario: Was verändert sich, wenn die Praxis vorübergehend weniger erwirtschaftet? Können dadurch private Einzahlungen, Immobilienfinanzierung und ein geplanter Praxisübergang gleichzeitig enger werden? Wenn mehrere Positionen auf denselben Auslöser reagieren, macht ein Eintrag im Risikofeld diese Verbindung sichtbar und erleichtert die nächste Zuordnung.

Kosten und Bindung vor einer neuen Entscheidung erfassen

Führen Sie einmalige und laufende Kosten getrennt auf. Je nach Vorsorgeweg können Abschluss-, Verwaltungs-, Depot-, Transaktions- oder Änderungskosten anfallen. Für einen Vergleich brauchen Sie dieselbe Bezugsgröße, denselben Zeitraum und Klarheit darüber, welche Kosten bereits im ausgewiesenen Wert stecken.

Im Beispiel werden für zwei gedachte Wege jährliche laufende Kosten von 0,5 Prozent und 1,5 Prozent eines betrachteten Betrags von 50.000 Euro angesetzt. Daraus ergeben sich im ersten Jahr 250 beziehungsweise 750 Euro. Die Differenz beträgt 500 Euro. Weitere Kosten und Wertänderungen werden gesondert berücksichtigt, statt aus dieser Einjahresrechnung einen langfristigen Endwert abzuleiten.

Prozentwerte in Jahresbeträge übersetzen
Beispiel0,5 % auf 50.000 €250 €1,5 % auf 50.000 €750 €
Für 50.000 Euro ergeben sich im Beispiel 250 oder 750 Euro laufende Kosten pro Jahr.

Bei Versicherungsanlageprodukten bezeichnet die BaFin Effektivkosten als Maß dafür, wie stark die gesamten Kosten die jährliche Rendite mindern. Die individuellen Effektivkosten müssen vor Vertragsabschluss mitgeteilt werden. Lesen Sie diese Angabe im Zusammenhang mit Anlageoptionen, Leistungen und Vertragsbedingungen; sie ist ein Vergleichspunkt für diese Produktart, nicht automatisch dieselbe Kennzahl wie eine Fondskostenquote. Die BaFin erklärt Effektivkosten bei Versicherungsanlageprodukten.

Prüfen Sie außerdem, wann ein Betrag verfügbar ist, ob Beiträge angepasst werden können und welche Werte garantiert oder prognostiziert sind. Ein Kostenwert beantwortet nicht allein, ob ein Produkt zur vorgesehenen Aufgabe passt. Halten Sie Kosten und Bindung deshalb nebeneinander fest, bevor Sie die Zuordnung in Ihrem Plan verändern.

Neue Einzahlungen nach einer festen Regel zuordnen

Formulieren Sie eine nachvollziehbare Reihenfolge für neue freie Beträge. In diesem Beispiel wird zuerst die private Reserve bis zum geplanten Ziel aufgefüllt; anschließend ordnen Sie einen bestätigten Überschuss den mittleren oder langfristigen Aufgaben zu. Die Regel hängt von Ihrem Bedarf ab und kann angepasst werden, wenn sich Einkommen, Zeitplan oder bestehende Ansprüche ändern.

Halten Sie dabei Praxisinvestitionen und private Vorsorge in der Übersicht auseinander. Für ein neues Gerät, zusätzliche Räume oder eine weitere Stelle können betriebliche Mittel vorgesehen sein. Der gleiche Euro kann nicht zugleich vollständig als private Anlage und als betrieblicher Puffer zählen. Wenn die betriebliche Entscheidung den freien Rahmen verändert, aktualisieren Sie danach die persönliche Einzahlungsregel.

Einmal jährlich das Zusammenspiel statt einzelner Schlagzeilen prüfen

Aktualisieren Sie einmal im Jahr die Bestände, Schulden, Versicherungsansprüche und geplanten Auszahlungstermine. Vergleichen Sie die neue Renteninformation mit dem zuvor erfassten Monatsbetrag und markieren Sie, ob Ihre tatsächliche Verfügbarkeit noch zum Bedarf passt. Eine größere Praxisinvestition, der Kauf oder die Finanzierung einer Immobilie und ein veränderter Arbeitsumfang sind gute Anlässe für eine zusätzliche Aktualisierung.

Schreiben Sie bei jeder Vermögensposition den wichtigsten Risikobezug dazu: bei der Praxis etwa Standort und Übergabemöglichkeit, bei der Immobilie Nutzung und Finanzierung, bei einem Finanzprodukt Anlageinhalt, Kosten und Bedingungen. So sehen Sie neben den Einzelwerten, welche Teile der Altersvorsorge auf dieselben wirtschaftlichen Faktoren reagieren.

Vermögensaufbau neben der eigenen Praxis beginnt mit einer sauberen Zuordnung: heutiges Kapital, spätere Renteneinnahmen, betriebliche Liquidität und private Ziele erhalten jeweils ihre eigene Aufgabe. Damit können Sie neue Einzahlungen anhand von Zeit, Verfügbarkeit, Risiko und Kosten prüfen, statt sich allein an einzelnen Produktnamen oder Marktbewegungen zu orientieren.

Häufige Fragen

Warum zählen Praxis und Praxisimmobilie als gemeinsame Abhängigkeit?

Beide können am selben Standort und an derselben Nachfrage hängen. Im Beispiel sind 180.000 Euro Praxiswert und 120.000 Euro Immobilienwert nach Restschuld zusammen 75 Prozent des erfassten Kapitalvermögens von 400.000 Euro. Künftige Rentenzahlungen stehen in der Übersicht separat.

Wie trenne ich kurzfristige Reserve und langfristiges Vorsorgevermögen?

Ordnen Sie jeden Betrag nach dem voraussichtlichen Bedarfszeitpunkt und seiner erforderlichen Verfügbarkeit. Im Beispiel dienen 18.000 Euro als private Reserve, 32.000 Euro einem späteren Übergang und 50.000 Euro dem langfristigen Aufbau. Zielbetrag und vorhandenen Bestand führen Sie getrennt.

Bedeuten mehrere Vorsorgeverträge automatisch eine breite Risikostreuung?

Nein. Prüfen Sie die Anlagegegenstände, Regionen und wirtschaftlichen Faktoren hinter den Verträgen. Ein offener Immobilienfonds kann über mehrere Immobilien und Regionen streuen, doch Werte können fallen und Rückgaberegeln den Zugriff begrenzen. Vergleichen Sie deshalb Streuung, Risiko, Verfügbarkeit und Kosten gemeinsam.

Wie mache ich laufende Kosten verschiedener Vorsorgewege vergleichbar?

Vergleichen Sie Kosten mit gleicher Bezugsgröße und gleichem Zeitraum. Im Beispiel führen 0,5 und 1,5 Prozent auf 50.000 Euro im ersten Jahr zu 250 und 750 Euro; die Differenz beträgt 500 Euro. Weitere Kosten, Wertänderungen und die Vertragsbindung erfassen Sie getrennt.

Sind Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten als Selbstständige immer von der Rentenversicherung befreit?

Nein. Die DRV nennt Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten als mögliche selbstständige Pflegepersonen, wenn sie überwiegend auf ärztliche Anordnung arbeiten. Weitere Voraussetzungen, auch zur Beschäftigung von Mitarbeitenden, können entscheidend sein. Prüfen Sie Ihren tatsächlichen Versicherungsstatus und die erfassten Beitragszeiten.

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