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Praxisorganisation

Qualitätsstandards im Franchise: Was die Zentrale vorgibt und die Praxis entscheidet

Franchise-Praxis: Standards für GKV-Angebot, örtliche Abweichungen, Einarbeitung und Übergaben mit konkreten Prüffragen für Praxis und Zentrale klären.

easymed.digital Redaktion 7 Min. Lesezeit
Ein Praxisteam bereitet gemeinsam einen Behandlungsraum vor.

Ein Franchise-Handbuch wird im Alltag nützlich, wenn jede Vorgabe ihren Zweck, den verbindlichen Kern, den örtlichen Spielraum und eine zuständige Ansprechperson nennt. So lassen sich Franchise-Praxis-Qualitätsstandards einführen, ohne organisatorische Abläufe mit der fachlichen Verantwortung für eine konkrete Behandlung zu vermischen.

Einen Teil des Informationswegs kann easymed bereits im Praxisalltag abbilden: Die Patientenakte bündelt Stammdaten, Versicherung, Verlauf, Dokumente und Hinweise je Patient. Die Behandlungsdokumentation hält Befund und Verlauf je Termin fest. Das gibt dem Team einen geordneten Ort für die Arbeit am einzelnen Standort. Welche Rolle welche Information im Ablauf benötigt und was an die Zentrale gehört, legt die Praxis weiterhin anhand der Aufgabe fest.

Drei Ebenen des Standards unterscheiden

Ordnen Sie jede Vorgabe einer Ebene zu: Markenauftritt umfasst gemeinsame Gestaltung und Information, der Arbeitsweg regelt Aufnahme, Übergabe und Vertretung, die fachliche Leistungserbringung folgt dem konkreten Anliegen und gehört zu einer dafür qualifizierten Person.

Im Beispiel stellt die Zentrale eine einheitliche Information zum Ersttermin bereit. Der Standort nimmt die erforderlichen Unterlagen auf und leitet offene Fragen weiter; die zuständige Fachperson beurteilt den Befund und plant die Behandlung.

Drei Ebenen, drei Aufgaben
MarkeGemeinsam wiedererkennenArbeitswegAufnahme und ÜbergabeVersorgungZuständige Fachperson
Markenauftritt, organisatorischer Arbeitsweg und fachliche Leistungserbringung werden getrennt zugeordnet.

Schreiben Sie zu jeder Regel den gemeinsamen Kern, erlaubte örtliche Varianten, die zuständige Rolle und den Ansprechweg auf. So muss eine neue Mitarbeiterin nicht aus einem Franchise-Handbuch ableiten, ob sie eine organisatorische oder eine fachliche Frage selbst beantwortet.

Die Voraussetzungen des tatsächlichen Angebots prüfen

Für eine Praxis, die Heilmittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung anbietet, reicht ein interner Qualitätsstandard als Voraussetzung nicht aus. § 124 SGB V knüpft die Zulassung an die erforderliche berufliche Qualifikation und Erlaubnis, eine zweckmäßige Praxisausstattung sowie die Anerkennung der maßgeblichen Verträge. Die zuständige Arbeitsgemeinschaft kann die vereinbarten räumlichen, sachlichen und personellen Voraussetzungen prüfen. Halten Sie deshalb für den Standort fest, welcher Leistungserbringer zugelassen ist, welche Leistungen dort angeboten werden und welche Personen sowie Räume dafür vorgesehen sind.

Die aktuelle Vertragsübersicht des GKV-Spitzenverbands führt die gültige Lesefassung und spätere Änderungen auf. § 3 der veröffentlichten Lesefassung des Physiotherapievertrags nach § 125 SGB V ordnet die Erfüllung der mit der Zulassung verbundenen Verpflichtungen dem zugelassenen Leistungserbringer zu. Ist dieser eine juristische Person oder Personenvereinigung, muss er der Arbeitsgemeinschaft eine fachliche Leitung benennen. Führen Sie diese benannte fachliche Leitung deshalb getrennt vom allgemeinen Systemkontakt. Ein Schulungstermin durch die Zentrale ersetzt weder die erforderliche Qualifikation noch die Zuständigkeit des zugelassenen Leistungserbringers.

Wenn ein Standort sein Angebot erweitern will, gehen Sie die Änderung konkret durch: Wer erbringt die Leistung, welche Qualifikation wird benötigt, passt die Ausstattung und der Raum, und welche Vertrags- oder Zulassungsvoraussetzung gilt? Die öffentliche Beschreibung und buchbare Termine passen Sie erst an, wenn der tatsächliche Ablauf geklärt ist. § 630a BGB bestimmt: Eine Behandlung hat den zum Behandlungszeitpunkt allgemein anerkannten fachlichen Standards zu entsprechen (Gesetzestext). Eine gemeinsame Vorlage kann diesen patientenbezogenen Schritt nicht festlegen.

Verantwortungen im normalen Arbeitsweg sichtbar machen

Nennen Sie für organisatorische Abläufe eine verantwortliche Person am Standort und einen Systemkontakt für gemeinsame Vorlagen oder Vorgaben. Halten Sie außerdem fest, wer eine fachliche Rückfrage übernimmt und wer diese Person vertritt. Damit wird aus einer Zuständigkeitsliste ein Arbeitsweg, den auch eine neue Empfangskraft anwenden kann.

Bei einer Terminänderung nimmt der Empfang die gewünschte Zeit auf und hält die vereinbarte Änderung fest. Ist eine Formulierung in der gemeinsamen Termininfo unklar, fragt das Team den Systemkontakt. Geht es dagegen um den Befund oder die passende Behandlung, leitet der Empfang die Frage an die zuständige qualifizierte Fachperson weiter. Die Zentrale erhält dabei nur die Information, die sie für ihre konkrete Aufgabe braucht.

Eine örtliche Abweichung nachvollziehbar bearbeiten

Beginnen Sie mit dem Arbeitsschritt, der unter den örtlichen Bedingungen nicht funktioniert. Beschreiben Sie die beobachtete Einschränkung und formulieren Sie die gewünschte Wirkung der Alternative, bevor Sie eine Abweichung als neue Regel verteilen.

Im Beispiel sieht die gemeinsame Vorgabe einen separaten Tisch vor, doch der Eingangsbereich ist dafür zu schmal. Das Team schlägt einen geschützten Übergabepunkt hinter dem Empfang vor. Die Standortverantwortung prüft den örtlichen Arbeitsschritt; der Systemkontakt klärt, ob die zentrale Regel angepasst oder eine Ausnahme dokumentiert wird.

Eine gemeinsame Regel vor Ort passend umsetzen
VorlageSeparaterTischÖrtlichHinter demEmpfangStandort + SystemkontaktVariante gemeinsam prüfenBegründung und Geltung
Die Standortverantwortung prüft den örtlichen Schritt, der Systemkontakt die gemeinsame Vorgabe.

Halten Sie die geltende Regel, die konkrete Einschränkung, die vorgeschlagene Lösung, die verantwortliche Freigabe und den Geltungsbereich fest. Wenn die Variante fachliche Versorgung oder den Umgang mit Patientendaten berührt, beziehen Sie die fachliche Leitung für genau diese Frage ein. Prüfen Sie den Weg anschließend in einer normalen Übergabe: Finden Mitarbeitende den geschützten Platz, können sie Fragen vertraulich weiterleiten und ist klar, wer entscheidet? Eine Raumlösung kann örtlich bleiben; eine Verbesserung der gemeinsamen Vorlage geben Sie mit ihrer Begründung an das System zurück.

Neue Mitarbeiter den Standard anwenden lassen

Ein gelesener Standard zeigt noch nicht, ob ein Arbeitsweg im Alltag verständlich ist. Lassen Sie neue Mitarbeitende deshalb eine konkrete Aufgabe mit der aktuell verwendeten Vorlage ausführen und beobachten Sie den nächsten Schritt.

Bei einer Terminänderung prüft die neue Empfangsperson die verfügbaren Zeiten, hält die vereinbarte Änderung fest und nennt den vorgesehenen Weg für eine offene fachliche Rückfrage. Die erfahrene Kollegin beobachtet, an welcher Stelle eine Zuständigkeit oder Unterlage fehlt, erklärt genau diesen Schritt und lässt ihn anschließend erneut üben.

Notieren Sie, welche Aufgabe und welche Fassung der Vorlage geübt wurden und wer die Anwendung begleitet hat. Eine Teilnahme an einer allgemeinen Schulung und die bestätigte Anwendung eines örtlichen Ablaufs sind unterschiedliche Informationen. Für Vertretungen ist außerdem hilfreich, den aktuellen Ablageort der Vorgabe und den erreichbaren Kontakt festzuhalten.

Datenzugriffe aus Aufgaben ableiten

Für eine Rückfrage zur gemeinsamen Aufnahmevorlage reichen häufig die Vorlagenfassung und eine Beschreibung des unklaren Schritts. Legen Sie nicht vorsorglich eine vollständige Patientenakte bei, wenn die zentrale Stelle die Prozessfrage damit nicht besser beantworten kann. Eine fallbezogene fachliche Frage gehört über den vorgesehenen geschützten Weg an die berechtigte zuständige Person.

Die Datenschutzkonferenz erläutert in ihrem Positionspapier zu cloudbasierten digitalen Gesundheitsanwendungen, dass die datenschutzrechtliche Rolle aus der konkreten Verarbeitung und ihrem Kontext folgt, nicht allein aus der Organisationsform; dieselbe Organisation kann je nach Vorgang unterschiedliche Rollen haben. Das Papier behandelt Gesundheitsanwendungen in der Cloud und bewertet nicht pauschal Franchise-Praxen. Für den eigenen Prozess ist daher konkret zu dokumentieren, welche Daten zu welchem Zweck an welche Stelle gehen und welche Rolle die Beteiligten bei genau diesem Vorgang übernehmen.

Qualität an tatsächlich beobachteten Übergängen prüfen

Wählen Sie wenige häufige oder wichtige Übergaben aus. Prüfen Sie, ob der nächste Schritt, die zuständige Person und der aktuelle Stand auffindbar sind. Eine vorhandene Vorlage allein zeigt noch nicht, dass das Team sie im Arbeitsweg nutzt.

Beispielhafte Arbeitsprobe: Das Team betrachtet zehn organisatorische Übergaben. Bei acht ist die nächste zuständige Person eindeutig; bei zwei fehlt der Rückfragekontakt. Ergänzen Sie den Kontakt im Ablaufblatt und üben Sie genau diese zwei Übergaben noch einmal. Beim nächsten Durchlauf wird beobachtet, ob die neue Fassung im normalen Arbeitsweg auffindbar ist.

Aus zwei offenen Übergaben einen prüfbaren Schritt machen
10 Übergaben betrachtet8 mit klarem Anschluss2 brauchen ZuständigkeitKontakt ergänzen und üben
Beispiel: Zwei der zehn betrachteten Übergaben brauchen einen benannten Rückfragekontakt.

Für einen eigenen Rückblick definieren Sie vorab, welche Übergaben betrachtet werden und wann ein nächster Schritt als eindeutig gilt. Vergleichen Sie nur gleichartige Abläufe mit derselben Definition. So wird sichtbar, ob eine fehlende Telefonnummer, eine unklare Vertretung oder eine veraltete Vorlage die nächste Übergabe tatsächlich erschwert.

Verbesserungen mit dem System zurückkoppeln

Melden Sie eine Änderung mit der ursprünglichen Frage, dem beobachteten Arbeitsschritt und dem Ergebnis der örtlichen Erprobung. Ergänzen Sie, welche Standorte oder Abläufe betroffen sind und wer die neue Fassung pflegt.

Im Beispiel kann der erreichbare Rückfragekontakt Teil der gemeinsamen Vorlage werden, wenn mehrere Standorte dieselbe Lücke beobachten. Der geschützte Übergabepunkt bleibt dagegen eine örtliche Lösung für den schmalen Eingang. Diese Unterscheidung verhindert, dass eine sinnvolle Standortentscheidung automatisch zu einer zusätzlichen Pflicht für alle Praxen wird.

Einen verständlichen Qualitätsrhythmus aufbauen

Legen Sie einen kurzen Rückblick an konkrete Anlässe: eine neue Vorgabe, wiederholte Unklarheit bei Übergaben oder eine örtliche Anpassung. Benennen Sie die zuständige Person und einen Termin, an dem die Anwendung erneut betrachtet wird. Bei größeren Änderungen planen Sie die nötige Einarbeitung und den Beginn der neuen Fassung gemeinsam.

Bewahren Sie aktive Vorlagen mit Geltungsbeginn und Ansprechperson an einem für das Team auffindbaren Ort auf. Nehmen Sie überholte Arbeitsblätter aus dem aktiven Ablauf und halten Sie frühere Entscheidungen nachvollziehbar. So verbinden Franchise-Praxis-Qualitätsstandards gemeinsame Orientierung mit dem tatsächlichen Arbeitsweg, den qualifizierten Personen und den Bedingungen vor Ort.

Häufige Fragen

Welche Qualitätsstandards kann die Franchise-Zentrale vorgeben?

Sie kann gemeinsame Gestaltungs- und Organisationsregeln festlegen, etwa eine einheitliche Termininfo, Aufnahmewege und Vertretungskontakte. Jede Vorgabe sollte den verbindlichen Kern und mögliche örtliche Varianten nennen. Die fachliche Leistungserbringung richtet sich weiterhin nach dem konkreten Anliegen und der zuständigen qualifizierten Person.

Welche Voraussetzungen gelten für GKV-Physiotherapie in einer Franchise-Praxis?

Für die Zulassung nennt § 124 SGB V die erforderliche Qualifikation und Berufserlaubnis, zweckmäßige Praxisausstattung und die Anerkennung der maßgeblichen Verträge. Der Physiotherapievertrag ordnet die damit verbundenen Verpflichtungen dem zugelassenen Leistungserbringer zu; bei einer juristischen Person oder Personenvereinigung ist eine fachliche Leitung zu benennen.

Wie halte ich eine örtliche Abweichung vom Franchise-Standard fest?

Halten Sie die geltende Vorgabe, die konkrete Einschränkung, die vorgeschlagene Variante, die Freigabe und den Geltungsbereich fest. Im Beispiel ersetzt ein geschützter Punkt hinter dem Empfang den separaten Tisch im schmalen Eingangsbereich. Prüfen Sie den neuen Ablauf anschließend bei einer tatsächlichen Übergabe.

Wie erkenne ich, ob neue Mitarbeitende einen Franchise-Ablauf anwenden können?

Lassen Sie die Person eine konkrete Aufgabe mit der aktuellen Vorlage ausführen, etwa eine Terminänderung samt Weiterleitung einer fachlichen Rückfrage. Beobachten Sie, ob Zuständigkeit und nächster Schritt klar sind, erklären Sie eine offene Stelle und lassen Sie sie erneut üben. Halten Sie die geübte Aufgabe und Vorlagenfassung fest.

Was zeigt eine kleine Qualitätsprüfung von Übergaben?

Sie zeigt, ob die nächste zuständige Person und der Rückfragekontakt auffindbar sind. Im Beispiel haben bei zwei von zehn betrachteten Übergaben Ansprechpartner gefehlt. Ergänzen Sie den Kontakt im Ablaufblatt und beobachten Sie beim nächsten Durchlauf, ob das Team die neue Fassung nutzt.

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