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Team und Zusammenarbeit

Gleichberechtigte Entwicklung: Einen Praxisauftrag vergeben

Einen Entwicklungsauftrag fair vergeben: Kriterien, Lernzeit und Rückmeldung früh klären. easymed zeigt Teamzeiten und Abwesenheiten für erreichbare Termine.

easymed.digital Redaktion 8 Min. Lesezeit
Zwei Therapeutinnen und ein Therapeut besprechen eine unbeschriftete Raumskizze an einem runden Tisch.

In Ihrer Therapiepraxis entsteht eine neue Entwicklungsaufgabe: Eine Person soll die Raumorganisation überarbeiten und dabei erste Verantwortung für einen begrenzten Teamauftrag übernehmen. Zwei Mitarbeitende interessieren sich dafür. Eine Therapeutin arbeitet 20 Wochenstunden, ihr Kollege 30. Das zunächst vorgesehene Besprechungsfenster liegt an einem Tag, an dem die Therapeutin gewöhnlich nicht arbeitet.

In einer Therapiepraxis beginnt gleichberechtigte berufliche Entwicklung vor der Auswahl: Machen Sie Ergebnis, Entscheidungsspielraum und Kriterien sichtbar, geben Sie allen Interessierten denselben Zugang und planen Sie Lernzeit sowie Rückmeldung innerhalb ihrer Dienstzeiten. Der Beispielauftrag zeigt, wie diese Schritte über sechs Wochen vom ersten Gespräch bis zur Auswertung zusammenhängen.

Die Arbeitszeit- und Abwesenheitsübersicht von easymed zeigt hinterlegte Dienstzeiten und Abwesenheiten je Behandler:in. Damit können Sie ein Rückmeldefenster innerhalb der Dienstpläne suchen. Welche Lernzeit für die Aufgabe frei bleibt und welche Begleitung nötig ist, vereinbaren Leitung und Mitarbeitende persönlich. Der gemeinsame Zeitüberblick unterstützt die Abstimmung für Teilzeit und Vollzeit.

Den Entwicklungsauftrag mit einem sichtbaren Ergebnis beschreiben

Beginnen Sie bei der Aufgabe. Im Beispiel sollen wiederkehrende Überschneidungen bei zwei Behandlungsräumen gesammelt und Vorschläge für eine verständlichere Zuordnung vorbereitet werden. Am Ende liegt eine Übersicht mit den beobachteten Engpässen und zwei besprechbaren Organisationsvorschlägen vor. Die Praxisleitung entscheidet anschließend über eine Änderung. Dieser begrenzte Auftrag ermöglicht Erfahrung mit Vorbereitung und Abstimmung.

Benennen Sie den Entscheidungsspielraum. Die beauftragte Person darf organisatorische Rückmeldungen sammeln, die bestehenden Raumzeiten betrachten und Vorschläge ausarbeiten. Eine neue verbindliche Raumverteilung bestätigt die Leitung nach der gemeinsamen Prüfung. So ist erkennbar, was die Person selbst übernimmt und an welcher Stelle sie Unterstützung oder eine Entscheidung benötigt.

Beschreiben Sie die erforderlichen Kenntnisse anhand dieser Handlungen. Im Beispiel braucht die Person Verständnis der vorhandenen Raumplanung, eine sachliche Zusammenfassung verschiedener Rückmeldungen und die Fähigkeit, einen Vorschlag verständlich vorzustellen. Diese Kriterien werden vor der Auswahl festgelegt. Eine allgemeine Aussage wie „Wir brauchen jemanden, der immer da ist“ erklärt die Anforderungen des sechs Wochen langen Auftrags nicht.

Legen Sie außerdem fest, was während der Erprobung gelernt werden darf. Vielleicht kennt jemand die Raumplanung bereits gut, möchte aber die Vorstellung eines Vorschlags üben. Ein Entwicklungsauftrag sollte vorhandene Voraussetzungen und das angestrebte Lernen sichtbar machen. Wenn Sie beides vermischen, kann eine noch zu entwickelnde Fähigkeit bereits als Ausschlussgrund erscheinen.

Die Gelegenheit für alle Interessierten erreichbar machen

Informieren Sie alle Mitarbeitenden frühzeitig und schriftlich an einem gemeinsam erreichbaren Ort über Aufgabe, Zeitraum, erforderliche Kenntnisse, Lernzeit und vorgesehene Unterstützung. Nennen Sie, bis wann und auf welchem Weg Interessierte sich melden können. Bieten Sie ein erreichbares Gesprächsfenster und einen Weg für Rückfragen an, damit auch Personen, die nicht am Teamtermin teilnehmen, ihre Fragen vor der Auswahl klären können.

Im Beispiel erhalten beide Interessierten denselben kurzen Auftragsrahmen. Mara arbeitet Montag bis Donnerstag und hat freitags keinen Dienst. Jonas arbeitet an fünf Tagen. Beide können bis zum vereinbarten Gesprächstermin erklären, welche Erfahrung sie einbringen und welche Rückmeldung sie für den Auftrag benötigen. Die unterschiedliche Stundenzahl wird mit dem tatsächlichen Zeitbedarf der Aufgabe betrachtet.

Fragen Sie beide direkt, ob sie Interesse an dem Auftrag haben und welches Lernziel sie darin sehen. Aus Teilzeit, Geschlecht oder Sorgeverantwortung lässt sich diese Antwort nicht ableiten. Fragen Sie nach der im Dienst verfügbaren Zeit für den beschriebenen Auftrag, nicht nach privaten Gründen. So können Interessierte selbst erklären, welche Erfahrung sie einbringen und welche Unterstützung sie benötigen.

Eine 2026 veröffentlichte Studie ließ Arbeitgeber aus deutschen Betrieben kurze Fallbeschreibungen zu Führungsbeförderungen beurteilen. Teilzeitarbeit und Sorgeverantwortung waren in diesen Vignetten mit geringeren erwarteten Aufstiegschancen verbunden, bei Frauen wie Männern. Die Studie untersuchte simulierte Aufstiegsentscheidungen; für einen sechs Wochen langen Praxisauftrag liefert sie deshalb keine direkte Auswahlregel. Sie macht eine hilfreiche Prüffrage sichtbar: Gehört eine bestimmte Präsenzzeit wirklich zur Aufgabe, oder wird sie mit Interesse und Entwicklungspotenzial gleichgesetzt? Zur Studie.

Für die Auswahl gilt außerdem der gesetzliche Rahmen. § 4 TzBfG verbietet, eine teilzeitbeschäftigte Person wegen ihrer Teilzeit schlechter zu behandeln als eine vergleichbare vollzeitbeschäftigte Person, sofern kein sachlicher Grund vorliegt. § 2 AGG nennt den beruflichen Aufstieg und den Zugang zu Aus- und Weiterbildung als Bereiche, in denen Benachteiligungen aus einem Grund nach § 1 unzulässig sind; § 7 AGG verbietet solche Benachteiligungen bei Beschäftigten, darunter wegen des Geschlechts. Für die Praxis ist hilfreich, knapp festzuhalten, welche aufgabenbezogenen Kriterien ausschlaggebend waren.

Lernzeit und Rückmeldung innerhalb des Auftrags organisieren

Für das Beispiel werden wöchentlich zwei Stunden eingeplant: 90 Minuten für Sammlung und Vorbereitung sowie 30 Minuten für die Rückmeldung mit der Praxisleitung. Über sechs Wochen ergibt das zwölf Stunden für den Entwicklungsauftrag. Benennen Sie diese Zeit im Auftragsrahmen und prüfen Sie, welche bestehenden Aufgaben im betreffenden Dienst dafür anders verteilt werden müssen.

Lernzeit und Rückmeldung gehören zum Auftrag
2 Stunden je Woche90 Minuten3090 Minuten Vorbereitung30 Minuten Rückmeldung6 Wochen × 2 Stunden12 Stunden insgesamt
Beispiel: Pro Woche werden 90 Minuten Vorbereitung und 30 Minuten Rückmeldung eingeplant. Zwei Stunden über sechs Wochen ergeben zwölf Stunden für den Entwicklungsauftrag.

Die beiden Interessierten betrachten denselben Zeitrahmen. In dieser Beispielrechnung entsprechen zwei Stunden pro Woche bei 20 Wochenstunden 10 Prozent, bei 30 Wochenstunden rund 6,7 Prozent der jeweiligen Wochenarbeitszeit. Diese Gegenüberstellung macht die relative Belastung sichtbar. Prüfen Sie mit beiden, welche bestehenden Aufgaben für Vorbereitung und Rückmeldung umverteilt werden müssen. So bleibt die vereinbarte Lernzeit im Dienst nutzbar.

Auch das Rückmeldefenster wird konkret geprüft. Der erste Vorschlag lautet Freitag von 13 bis 13:30 Uhr. Mara arbeitet an diesem Tag nicht. Die Beteiligten betrachten deshalb Dienstag von 12 bis 12:30 Uhr, der in beiden Dienstplänen liegt. Das gemeinsame Fenster wird für den Auftrag bestätigt; die übrigen 90 Minuten werden in den jeweiligen Wochenplan eingeordnet.

Das Rückmeldefenster muss erreichbar sein

Erster Vorschlag

Freitag
13–13:30 Uhr

Mara hat keinen Dienst.
Fenster wird neu betrachtet.

Gemeinsam bestätigt

Dienstag
12–12:30 Uhr

Liegt in beiden Dienstplänen.
Rückmeldung wird eingeplant.

Im Beispiel arbeitet Mara freitags nicht. Dienstag, 12–12:30 Uhr, liegt in beiden Dienstplänen und wird gemeinsam bestätigt. Die 90 Minuten Vorbereitung erhalten ihren eigenen Platz.

§ 10 TzBfG betrifft Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Förderung der beruflichen Entwicklung und Mobilität. Arbeitgeber sollen auch Teilzeitbeschäftigten die Teilnahme ermöglichen, sofern keine dringenden betrieblichen Gründe oder die Weiterbildungswünsche anderer Beschäftigter entgegenstehen. Wenn Ihr Entwicklungsauftrag solche Lernmaßnahmen einschließt, planen Sie Zugang und Betreuungszeit so, dass sie im Dienst wahrgenommen werden können. Für den Raumauftrag heißt das: Benennen Sie, wer Rückfragen beantwortet, welches Vorbereitungsfenster vorgesehen ist und wann die Leitung Feedback gibt.

Die Auswahl mit denselben aufgabenbezogenen Fragen treffen

Führen Sie mit beiden Interessierten ein Gespräch über denselben Auftrag. Welche Teile der Raumorganisation kennen sie? Wie würden sie Rückmeldungen aus dem Team zusammenführen? Welche Unterstützung benötigen sie für die Vorstellung der Vorschläge? Verwenden Sie dieselben inhaltlichen Fragen, damit Sie die Antworten auf die zuvor beschriebenen Anforderungen beziehen können.

Im Beispiel erläutert Mara eine bereits bearbeitete Raumüberschneidung und ihren geplanten Aufbau für die Rückmeldungen. Jonas beschreibt eine frühere gemeinsame Organisationsaufgabe und möchte die Zusammenfassung verschiedener Wünsche vertiefen. Die Leitung betrachtet diese Erfahrungen zusammen mit dem Lernziel des Auftrags. Die Entscheidung erhält einen konkreten Bezug zur vorbereitenden Arbeit und zur verfügbaren Begleitung.

Halten Sie fest, weshalb die gewählte Person zu diesem Auftrag passt und welche Unterstützung vereinbart wurde. Eine transparente Entscheidung braucht eine verständliche Begründung. Ein Zahlenpunktesystem ist dafür nicht automatisch nötig. Die Beteiligten sollen erkennen können, welche aufgabenbezogenen Informationen berücksichtigt wurden und an welcher Stelle eine Voraussetzung noch geklärt werden musste.

Besprechen Sie mit der anderen interessierten Person einen passenden nächsten Entwicklungsschritt. Das kann eine andere begrenzte Organisationsaufgabe oder die gezielte Vorbereitung auf eine spätere Gelegenheit sein. Benennen Sie Anlass und nächsten Gesprächstermin, wenn eine Fortsetzung vereinbart wird. Eine unverbindliche Aussage, irgendwann komme schon etwas, erklärt diesen Anschluss noch nicht.

Rückmeldung an den vereinbarten Arbeitsschritten geben

Die beauftragte Person und die Praxisleitung betrachten im ersten Rückblick den gesammelten Arbeitsstand. Liegen die Raumfragen nachvollziehbar vor? Sind Beobachtung und Lösungsvorschlag verständlich getrennt? Welche Information fehlt noch für die nächste Besprechung? Die Rückmeldung bezieht sich auf die ausgeführte Aufgabe und den bekannten Entscheidungsrahmen.

Prüfen Sie zugleich die zugesagte Unterstützung. Wurde die Vorbereitungszeit tatsächlich nutzbar oder regelmäßig von anderen Aufgaben verdrängt? Hat der Rückmeldetermin stattgefunden? Ein offener Arbeitsstand kann mehrere Ursachen haben. Die Leitung sollte den vereinbarten organisatorischen Rahmen mitbetrachten, bevor sie daraus ein allgemeines Urteil über Führungsfähigkeit ableitet.

Im Beispiel fehlen nach der zweiten Woche Rückmeldungen zu einem Raum. Die beauftragte Person benennt diese Lücke und schlägt einen erreichbaren Rückfrageweg vor. Die Leitung bestätigt, welche Information vor der weiteren Ausarbeitung gebraucht wird. Dieser Vorgang zeigt einen konkreten Lernschritt: Eine offene Voraussetzung wird erkannt, verständlich erklärt und mit einer zuständigen Handlung verbunden.

Eine offene Information bekommt einen Rückfrageweg
Nach der zweiten WocheEine Raumrückmeldung fehltBeauftragtePersonbenennt LückeLeitungbestätigt diebenötigte InfoRückfrageweg abstimmenAusarbeitung fortsetzen
Nach der zweiten Woche fehlt eine Rückmeldung zu einem Raum. Die beauftragte Person benennt die Lücke und schlägt einen Rückfrageweg vor; die Leitung bestätigt die benötigte Information.

Wählen Sie für die nächste Woche einen gezielten Entwicklungspunkt. Vielleicht soll der Vorschlag kürzer vorgestellt oder die offene Frage eindeutiger beschrieben werden. Halten Sie den Punkt mit einem beobachtbaren nächsten Schritt fest. Persönliche Zuschreibungen wie „zu zurückhaltend“ helfen weniger als die Vereinbarung, bei der nächsten Vorstellung zuerst den benötigten Entscheidungsbedarf zu nennen.

Den Zugang zur nächsten Entwicklungsaufgabe auswerten

Nach sechs Wochen betrachten Sie sowohl das Arbeitsergebnis als auch den Zugang zur Aufgabe. Wurde die Gelegenheit rechtzeitig bekannt? Konnte die interessierte Teilzeitkraft ihre Voraussetzungen selbst erklären? Lag die Rückmeldung in einem erreichbaren Dienstfenster? Diese Fragen prüfen den konkret durchgeführten Entwicklungsweg und zeigen, welcher organisatorische Punkt bei der nächsten Vergabe verbessert werden kann.

Halten Sie die verwendbaren Erfahrungen fest. Im Beispiel bleibt das dienstags gelegene Rückmeldefenster für einen ähnlichen Auftrag gut erreichbar. Die Leitung präzisiert außerdem den erwarteten Umfang der Raumübersicht, weil dazu anfangs eine Rückfrage entstand. Aus dem abgeschlossenen Auftrag werden damit konkrete Anpassungen für die nächste Gelegenheit abgeleitet.

Ein nachvollziehbarer Entwicklungsauftrag verbindet die Aufgabe mit erreichbarer Lernzeit und sachlicher Rückmeldung. Wenn diese Bedingungen schon vor der Auswahl geklärt sind, können Mitarbeitende ihre Wünsche und Voraussetzungen verständlich einbringen. Die Praxisleitung erhält eine konkrete Grundlage für die Entscheidung und kann die nächste Gelegenheit mit den Erfahrungen aus dem durchgeführten Auftrag verbessern.

Häufige Fragen

Welche Kriterien werden vor der Vergabe des Entwicklungsauftrags geklärt?

Benennen Sie Ergebnis, Entscheidungsspielraum, erforderliche Kenntnisse und das angestrebte Lernen. Im Beispiel werden Raumfragen gesammelt und zwei Organisationsvorschläge vorbereitet; die Praxisleitung bestätigt eine verbindliche Änderung. Die Auswahl bezieht sich auf Verständnis der Raumplanung, sachliche Zusammenfassung und verständliche Vorstellung. So können Interessierte ihre Erfahrungen zum selben konkreten Auftrag erklären.

Wie viel Zeit erhält der sechs Wochen lange Auftrag im Beispiel?

Im Beispiel werden wöchentlich zwei Stunden eingeplant: 90 Minuten für Sammlung und Vorbereitung sowie 30 Minuten Rückmeldung. Über sechs Wochen ergibt das zwölf Stunden. Bei 20 Wochenstunden entsprechen zwei Stunden 10 Prozent der Wochenarbeitszeit, bei 30 Stunden rund 6,7 Prozent. Stimmen Sie mit beiden ab, welche Aufgaben für diese Lernzeit umverteilt werden.

Warum wird das Rückmeldefenster von Freitag auf Dienstag verlegt?

Mara arbeitet freitags nicht und könnte das zuerst vorgeschlagene Gespräch von 13 bis 13:30 Uhr nicht innerhalb ihres Dienstes erreichen. Dienstag von 12 bis 12:30 Uhr liegt im Beispiel in beiden Dienstplänen und wird gemeinsam bestätigt. Die übrigen 90 Minuten Vorbereitung werden anschließend in den jeweiligen Wochenplan eingeordnet.

Wie beurteilen Sie einen noch offenen Arbeitsstand während des Auftrags?

Betrachten Sie die vereinbarten Arbeitsschritte und die tatsächlich verfügbare Unterstützung. Fragen Sie nach fehlenden Informationen, nutzbarer Vorbereitungszeit und erfolgter Rückmeldung. Im Beispiel fehlt nach der zweiten Woche eine Raumrückmeldung; daraus wird ein konkreter Rückfrageweg. Vereinbaren Sie danach einen beobachtbaren nächsten Lernschritt.

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