PREMs erfassen, wie Patientinnen und Patienten die Versorgung erleben; PROMs erfassen, was sie über ihren Gesundheitszustand berichten. Im Physiotherapie-Fallbeispiel sagt eine Patientin: „Die Erklärung zur Übung war verständlich; das Anziehen der Jacke fällt mir weiterhin schwer.“ Der erste Teil betrifft das Behandlungsgespräch, der zweite eine Alltagstätigkeit.
Beide Angaben sind für den nächsten Kontakt nützlich, beantworten aber verschiedene Fragen. Als freie Gesprächsnotiz ist die Aussage noch kein standardisiertes PREM oder PROM und ergibt keinen vergleichbaren Messwert. Die IQTIG-Methodischen Grundlagen beschreiben die beiden Instrumenttypen getrennt nach Versorgungserfahrung und patientenberichteter Gesundheit.
In easymed führen Sie Befund und Verlauf je Termin. Die Patientenakte hält Stammdaten, Versicherung, Verlauf, Dokumente und Hinweise je Patient zusammen; Textvorschläge aus Ihren bisherigen Formulierungen erleichtern wiederkehrende Einträge. Sie ergänzen die individuelle Rückmeldung am passenden Behandlungskontakt und führen den Verlauf beim nächsten Termin weiter.
Was PREM und PROM jeweils erfassen
Ein PREM (Patient-Reported Experience Measure) erfasst Erfahrungen während der medizinischen Versorgung und Behandlung. Dazu können eine verständliche Erklärung, die Interaktion mit dem Behandlungsteam, Wartezeiten oder die Einbindung in Entscheidungen gehören. Das IQTIG beschreibt konkrete Erlebnisse und Ereignisse als möglichen Gegenstand einer solchen Befragung. Eine Frage wie „Welcher Teil der Übungserklärung war hilfreich?“ bezieht sich auf das tatsächlich erlebte Gespräch.
Ein PROM (Patient-Reported Outcome Measure) erfasst Aspekte des patientenberichteten Gesundheitszustands, ohne dass die Antwort von Behandelnden interpretiert wird. Typische Bereiche sind Symptome, körperliche Funktionen im Alltag, die allgemeine Gesundheitswahrnehmung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. „Das Anziehen der Jacke fällt mir weiterhin schwer“ ist eine eigene Schilderung einer Alltagstätigkeit. Sie ist ein möglicher Gesprächsanlass zu Funktion und Gesundheit, aber für sich noch kein standardisierter PROM-Wert. Beide Definitionen und Beispiele erläutert das IQTIG in den Abschnitten 7.1.1 und 7.1.2.
Auch eine allgemeine Zufriedenheitsfrage stellt etwas anderes in den Mittelpunkt. „Wie zufrieden waren Sie insgesamt?“ fordert ein Werturteil. Eine konkrete PREM-Frage fragt stattdessen nach einem erlebten Vorgang, etwa ob die Übung erklärt oder eine Entscheidung besprochen wurde. Die Unterscheidung hilft, eine Rückmeldung so aufzunehmen, dass der nächste Schritt erkennbar bleibt.
Eine gemischte Rückmeldung in ihre Aussagen zerlegen
Die Patientin beschreibt im Fallbeispiel zwei Gegenstände: verständliche Übungserklärung und weiterhin schwieriges Anziehen der Jacke. Die Therapeutin hält die Erklärung als berichtete Erfahrung fest. Das Anziehen wird als berichtete Alltagsschwierigkeit aufgenommen. Beide Inhalte gehören zur selben Rückmeldung und bleiben im Verlauf gemeinsam auffindbar.
Die verständliche Erklärung führt zur Nachfrage, welcher Teil des Gesprächs hilfreich war. Die Alltagsschwierigkeit führt zur fachlichen Nachfrage, was beim Anziehen aktuell schwerfällt. So wird aus einem kurzen Satz eine gute Vorbereitung für das weitere Gespräch. Das Team weiß, worauf es beim nächsten Kontakt eingehen kann.
Zwei Aussagen in einer Rückmeldung
Welcher Teil des Gesprächs war hilfreich?
Was fällt aktuell beim Anziehen schwer?
Halten Sie die zwei Themen im selben Behandlungskontakt getrennt fest: Was berichtet die Patientin über das Gespräch, und welche Tätigkeit ist im Alltag schwierig? Ergänzen Sie die konkrete Nachfrage und die besprochene Vereinbarung. So bleibt der Inhalt nachvollziehbar, ohne aus einer einzelnen Notiz ein Messergebnis abzuleiten.
Zur Erfahrung nach dem konkreten Geschehen fragen
Im Beispiel fragt die Therapeutin, welcher Teil der Übungserklärung verständlich war. Die Patientin nennt das gemeinsame Durchgehen der einzelnen Schritte. Diese konkrete Antwort zeigt, was im Gespräch gut funktioniert hat. Das Team kann die hilfreiche Form der Erklärung bei weiteren Kontakten aufgreifen.
Der Eintrag lautet sinngemäß: Die Schritte wurden gemeinsam durchgegangen; die Patientin beschreibt die Erklärung als verständlich. Damit bleibt der berichtete Ablauf erkennbar. Die Kollegin sieht, wie die Übung vermittelt wurde und woran das nächste Gespräch anschließen kann.
Für wiederkehrende Dokumentation bietet easymed Textvorschläge aus Ihren bisherigen Formulierungen. Sie greifen eine passende Formulierung auf und ergänzen den individuellen Gesprächsinhalt. Das erleichtert das Schreiben, während die konkrete Erfahrung der jeweiligen Person ihren Platz behält.
Eine offene Nachfrage bleibt ebenfalls konkret: „Was war an der Erklärung hilfreich?“ oder „Was hätten Sie sich zusätzlich gewünscht?“ Halten Sie fest, worauf die Antwort Bezug nimmt und welche Vereinbarung daraus entsteht. Ein solcher Eintrag dient dem weiteren Gespräch; ein allgemeiner Gesamteindruck allein benennt noch kein bestimmtes Ereignis.
Zum Gesundheitszustand Zeitpunkt und Alltagssituation festhalten
Die Therapeutin fragt nach, welcher Teil des Anziehens aktuell schwerfällt und auf welchen Zeitpunkt sich die Schilderung bezieht. Die Patientin beschreibt ihre gegenwärtige Alltagssituation. Die fachliche Einordnung verbindet diese Angabe mit den vorhandenen Befunden und dem vereinbarten Therapieziel.
Im Fallbeispiel stehen zwei Gesprächsstände nebeneinander: Beim letzten Verlaufsgespräch wurde das Anziehen als schwierig beschrieben; beim heutigen Gespräch wird es weiterhin als schwierig beschrieben. Dieselbe Tätigkeit und die beiden Zeitpunkte machen den Bezug verständlich. Für die weitere Bewertung klärt die Therapeutin die konkreten Bedingungen.
Dieselbe Alltagstätigkeit an zwei Zeitpunkten
- Letztes VerlaufsgesprächAnziehen der Jacke als schwierig beschrieben
- Heutiges GesprächAnziehen weiterhin als schwierig beschrieben
Die Dokumentation unterscheidet die berichtete Angabe von einer anschließend erhobenen Beobachtung. Beispielsweise hält die Therapeutin fest, was die Patientin schildert, was im heutigen Kontakt besprochen wurde und welcher nächste Schritt vereinbart ist. So kann die Kollegin den Gedankengang im Verlauf nachvollziehen.
Zwei Aufgaben mit passenden Verantwortlichen weiterführen
Zur Erklärung hält das Team fest, dass das gemeinsame Durchgehen der Schritte hilfreich war. Die behandelnde Therapeutin greift die Alltagsschwierigkeit im fachlichen Verlaufsgespräch auf. Damit hat jede Aussage einen passenden nächsten Schritt.
Die Zuordnung folgt dem Inhalt: Erfahrung mit der Erklärung gehört zur Gestaltung des Gesprächs; berichtete Alltagsschwierigkeit gehört zum Therapieverlauf. Die berechtigte Kollegin findet beide Angaben in der Akte. Eine kurze Vereinbarung zeigt, wer den weiteren Kontakt übernimmt.
Der Inhalt bestimmt die Anschlussaufgabe
- Erfahrung mit der Erklärung
- Kommunikation gestaltenGemeinsames Durchgehen der Schritte als hilfreiches Geschehen aufgreifen
- Alltagsschwierigkeit
- Therapieverlauf weiterführenBerichtetes schwieriges Anziehen zur behandelnden Person weiterführen
Eine Vereinbarung für den Folgetermin hält fest, wer den Kontakt übernimmt und welches Thema weiter besprochen wird. Der Kalender organisiert den Termin; die Dokumentation hält den fachlichen Inhalt fest.
Strukturierte Befragungen gezielt einsetzen
Wenn Sie Rückmeldungen systematisch erheben oder vergleichen möchten, bestimmen Sie zuerst, welche Frage Sie beantworten wollen: Geht es um ein Erlebnis in der Versorgung oder um Beschwerden, Funktion und Gesundheit? Wählen Sie ein strukturiertes Instrument, dessen Inhalt zur Zielgruppe und zum Zweck passt. Eine spontan formulierte Gesprächsfrage kann ein gutes Gespräch eröffnen, ersetzt aber nicht automatisch ein dafür entwickeltes Messinstrument.
Für solche Instrumente ist die genaue Gestaltung wichtig. Das IQTIG beschreibt für die Entwicklung unter anderem Literaturrecherche, Fokusgruppen und Interviews, kognitive Vortests zur Verständlichkeit sowie weitere Tests der Messeigenschaften. Der OECD-PaRIS-Bericht schildert für seine Fragebögen mehrstufige Übersetzungen, kognitive Tests und eine Feldprüfung in 17 Ländern. Diese Beispiele zeigen, warum Fragen, Bezugszeitraum, Antwortmöglichkeiten und Auswertung aufeinander abgestimmt sein müssen. Wenn Sie ein etabliertes Instrument nutzen, bleiben Sie bei seiner vorgesehenen Fassung und Auswertung, damit die Ergebnisse sinnvoll eingeordnet werden können.
Die beschriebenen Entwicklungsverfahren sind kein zusätzlicher Prüfauftrag für jede Therapiepraxis. Für die praktische Auswahl genügt: Prüfen Sie, ob die Frage des Instruments zur gewünschten Rückmeldung und zu den behandelten Personen passt, und wenden Sie die festgelegte Erhebung konsistent an. Die Methodik ist in den IQTIG-Abschnitten zur Fragebogenentwicklung und im OECD-PaRIS-Bericht, Kapitel 7.2.3–7.2.4 beschrieben.
Für eine informelle Rückmeldung halten Sie also fest, was die Patientin über die Versorgung erlebt und was sie über ihre Gesundheit oder Alltagstätigkeit berichtet. Ergänzen Sie die konkrete Nachfrage, den Zeitpunkt und die Vereinbarung für den nächsten Kontakt. Wenn Ihre Praxis ein PREM oder PROM auswerten möchte, verwenden Sie dafür das passende strukturierte Instrument und führen dessen Fragen und Auswertung konsistent durch. So bleiben Gespräch, Verlauf und gegebenenfalls Messung klar zugeordnet.