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Dokumentation und Therapie

PREM und PROM in der Therapiepraxis verständlich unterscheiden

PREM erfasst Erfahrungen mit der Versorgung; PROM den selbst berichteten Gesundheitszustand. Das Fallbeispiel zeigt die Trennung im Gespräch und wie easymed Befund und Verlauf je Termin dokumentiert.

easymed.digital Redaktion 6 Min. Lesezeit
Therapeutin und Patientin im Gespräch; eine Jacke liegt über der Stuhllehne, ein geschlossenes Notizbuch auf dem Tisch.

PREMs erfassen, wie Patientinnen und Patienten die Versorgung erleben; PROMs erfassen, was sie über ihren Gesundheitszustand berichten. Im Physiotherapie-Fallbeispiel sagt eine Patientin: „Die Erklärung zur Übung war verständlich; das Anziehen der Jacke fällt mir weiterhin schwer.“ Der erste Teil betrifft das Behandlungsgespräch, der zweite eine Alltagstätigkeit.

Beide Angaben sind für den nächsten Kontakt nützlich, beantworten aber verschiedene Fragen. Als freie Gesprächsnotiz ist die Aussage noch kein standardisiertes PREM oder PROM und ergibt keinen vergleichbaren Messwert. Die IQTIG-Methodischen Grundlagen beschreiben die beiden Instrumenttypen getrennt nach Versorgungserfahrung und patientenberichteter Gesundheit.

In easymed führen Sie Befund und Verlauf je Termin. Die Patientenakte hält Stammdaten, Versicherung, Verlauf, Dokumente und Hinweise je Patient zusammen; Textvorschläge aus Ihren bisherigen Formulierungen erleichtern wiederkehrende Einträge. Sie ergänzen die individuelle Rückmeldung am passenden Behandlungskontakt und führen den Verlauf beim nächsten Termin weiter.

Was PREM und PROM jeweils erfassen

Ein PREM (Patient-Reported Experience Measure) erfasst Erfahrungen während der medizinischen Versorgung und Behandlung. Dazu können eine verständliche Erklärung, die Interaktion mit dem Behandlungsteam, Wartezeiten oder die Einbindung in Entscheidungen gehören. Das IQTIG beschreibt konkrete Erlebnisse und Ereignisse als möglichen Gegenstand einer solchen Befragung. Eine Frage wie „Welcher Teil der Übungserklärung war hilfreich?“ bezieht sich auf das tatsächlich erlebte Gespräch.

Ein PROM (Patient-Reported Outcome Measure) erfasst Aspekte des patientenberichteten Gesundheitszustands, ohne dass die Antwort von Behandelnden interpretiert wird. Typische Bereiche sind Symptome, körperliche Funktionen im Alltag, die allgemeine Gesundheitswahrnehmung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. „Das Anziehen der Jacke fällt mir weiterhin schwer“ ist eine eigene Schilderung einer Alltagstätigkeit. Sie ist ein möglicher Gesprächsanlass zu Funktion und Gesundheit, aber für sich noch kein standardisierter PROM-Wert. Beide Definitionen und Beispiele erläutert das IQTIG in den Abschnitten 7.1.1 und 7.1.2.

Auch eine allgemeine Zufriedenheitsfrage stellt etwas anderes in den Mittelpunkt. „Wie zufrieden waren Sie insgesamt?“ fordert ein Werturteil. Eine konkrete PREM-Frage fragt stattdessen nach einem erlebten Vorgang, etwa ob die Übung erklärt oder eine Entscheidung besprochen wurde. Die Unterscheidung hilft, eine Rückmeldung so aufzunehmen, dass der nächste Schritt erkennbar bleibt.

Eine gemischte Rückmeldung in ihre Aussagen zerlegen

Die Patientin beschreibt im Fallbeispiel zwei Gegenstände: verständliche Übungserklärung und weiterhin schwieriges Anziehen der Jacke. Die Therapeutin hält die Erklärung als berichtete Erfahrung fest. Das Anziehen wird als berichtete Alltagsschwierigkeit aufgenommen. Beide Inhalte gehören zur selben Rückmeldung und bleiben im Verlauf gemeinsam auffindbar.

Die verständliche Erklärung führt zur Nachfrage, welcher Teil des Gesprächs hilfreich war. Die Alltagsschwierigkeit führt zur fachlichen Nachfrage, was beim Anziehen aktuell schwerfällt. So wird aus einem kurzen Satz eine gute Vorbereitung für das weitere Gespräch. Das Team weiß, worauf es beim nächsten Kontakt eingehen kann.

Zwei hilfreiche Inhalte aus einem Gespräch

Zwei Aussagen in einer Rückmeldung

Die Übungserklärung war verständlich; das Anziehen der Jacke fällt weiterhin schwer.
BERICHTETE ERFAHRUNGVerständliche Erklärung

Welcher Teil des Gesprächs war hilfreich?

BERICHTETE ALLTAGSSCHWIERIGKEITJacke anziehen

Was fällt aktuell beim Anziehen schwer?

Die verständliche Erklärung und die berichtete Alltagsschwierigkeit erhalten jeweils eine passende Nachfrage und bleiben im gemeinsamen Verlauf auffindbar.

Halten Sie die zwei Themen im selben Behandlungskontakt getrennt fest: Was berichtet die Patientin über das Gespräch, und welche Tätigkeit ist im Alltag schwierig? Ergänzen Sie die konkrete Nachfrage und die besprochene Vereinbarung. So bleibt der Inhalt nachvollziehbar, ohne aus einer einzelnen Notiz ein Messergebnis abzuleiten.

Zur Erfahrung nach dem konkreten Geschehen fragen

Im Beispiel fragt die Therapeutin, welcher Teil der Übungserklärung verständlich war. Die Patientin nennt das gemeinsame Durchgehen der einzelnen Schritte. Diese konkrete Antwort zeigt, was im Gespräch gut funktioniert hat. Das Team kann die hilfreiche Form der Erklärung bei weiteren Kontakten aufgreifen.

Der Eintrag lautet sinngemäß: Die Schritte wurden gemeinsam durchgegangen; die Patientin beschreibt die Erklärung als verständlich. Damit bleibt der berichtete Ablauf erkennbar. Die Kollegin sieht, wie die Übung vermittelt wurde und woran das nächste Gespräch anschließen kann.

Für wiederkehrende Dokumentation bietet easymed Textvorschläge aus Ihren bisherigen Formulierungen. Sie greifen eine passende Formulierung auf und ergänzen den individuellen Gesprächsinhalt. Das erleichtert das Schreiben, während die konkrete Erfahrung der jeweiligen Person ihren Platz behält.

Eine offene Nachfrage bleibt ebenfalls konkret: „Was war an der Erklärung hilfreich?“ oder „Was hätten Sie sich zusätzlich gewünscht?“ Halten Sie fest, worauf die Antwort Bezug nimmt und welche Vereinbarung daraus entsteht. Ein solcher Eintrag dient dem weiteren Gespräch; ein allgemeiner Gesamteindruck allein benennt noch kein bestimmtes Ereignis.

Zum Gesundheitszustand Zeitpunkt und Alltagssituation festhalten

Die Therapeutin fragt nach, welcher Teil des Anziehens aktuell schwerfällt und auf welchen Zeitpunkt sich die Schilderung bezieht. Die Patientin beschreibt ihre gegenwärtige Alltagssituation. Die fachliche Einordnung verbindet diese Angabe mit den vorhandenen Befunden und dem vereinbarten Therapieziel.

Im Fallbeispiel stehen zwei Gesprächsstände nebeneinander: Beim letzten Verlaufsgespräch wurde das Anziehen als schwierig beschrieben; beim heutigen Gespräch wird es weiterhin als schwierig beschrieben. Dieselbe Tätigkeit und die beiden Zeitpunkte machen den Bezug verständlich. Für die weitere Bewertung klärt die Therapeutin die konkreten Bedingungen.

Dieselbe Alltagstätigkeit im zeitlichen Verlauf

Dieselbe Alltagstätigkeit an zwei Zeitpunkten

  1. Letztes VerlaufsgesprächAnziehen der Jacke als schwierig beschrieben
  2. Heutiges GesprächAnziehen weiterhin als schwierig beschrieben
Zuerst klären: Beziehen sich beide Angaben auf dieselbe Tätigkeit und vergleichbare Bedingungen?
Im Beispiel beziehen sich die frühere und die heutige Schilderung auf das Anziehen. Die konkreten Bedingungen geben der weiteren Einordnung ihren Bezug.

Die Dokumentation unterscheidet die berichtete Angabe von einer anschließend erhobenen Beobachtung. Beispielsweise hält die Therapeutin fest, was die Patientin schildert, was im heutigen Kontakt besprochen wurde und welcher nächste Schritt vereinbart ist. So kann die Kollegin den Gedankengang im Verlauf nachvollziehen.

Zwei Aufgaben mit passenden Verantwortlichen weiterführen

Zur Erklärung hält das Team fest, dass das gemeinsame Durchgehen der Schritte hilfreich war. Die behandelnde Therapeutin greift die Alltagsschwierigkeit im fachlichen Verlaufsgespräch auf. Damit hat jede Aussage einen passenden nächsten Schritt.

Die Zuordnung folgt dem Inhalt: Erfahrung mit der Erklärung gehört zur Gestaltung des Gesprächs; berichtete Alltagsschwierigkeit gehört zum Therapieverlauf. Die berechtigte Kollegin findet beide Angaben in der Akte. Eine kurze Vereinbarung zeigt, wer den weiteren Kontakt übernimmt.

Jeder Gesprächsinhalt führt zum passenden nächsten Schritt

Der Inhalt bestimmt die Anschlussaufgabe

Erfahrung mit der Erklärung
Kommunikation gestaltenGemeinsames Durchgehen der Schritte als hilfreiches Geschehen aufgreifen
Alltagsschwierigkeit
Therapieverlauf weiterführenBerichtetes schwieriges Anziehen zur behandelnden Person weiterführen
Hilfreiche Erklärungen im Gespräch aufgreifen und das Alltagsanliegen im Therapieverlauf weiterführen. Die gemeinsamen Notizen unterstützen den Folgetermin.

Eine Vereinbarung für den Folgetermin hält fest, wer den Kontakt übernimmt und welches Thema weiter besprochen wird. Der Kalender organisiert den Termin; die Dokumentation hält den fachlichen Inhalt fest.

Strukturierte Befragungen gezielt einsetzen

Wenn Sie Rückmeldungen systematisch erheben oder vergleichen möchten, bestimmen Sie zuerst, welche Frage Sie beantworten wollen: Geht es um ein Erlebnis in der Versorgung oder um Beschwerden, Funktion und Gesundheit? Wählen Sie ein strukturiertes Instrument, dessen Inhalt zur Zielgruppe und zum Zweck passt. Eine spontan formulierte Gesprächsfrage kann ein gutes Gespräch eröffnen, ersetzt aber nicht automatisch ein dafür entwickeltes Messinstrument.

Für solche Instrumente ist die genaue Gestaltung wichtig. Das IQTIG beschreibt für die Entwicklung unter anderem Literaturrecherche, Fokusgruppen und Interviews, kognitive Vortests zur Verständlichkeit sowie weitere Tests der Messeigenschaften. Der OECD-PaRIS-Bericht schildert für seine Fragebögen mehrstufige Übersetzungen, kognitive Tests und eine Feldprüfung in 17 Ländern. Diese Beispiele zeigen, warum Fragen, Bezugszeitraum, Antwortmöglichkeiten und Auswertung aufeinander abgestimmt sein müssen. Wenn Sie ein etabliertes Instrument nutzen, bleiben Sie bei seiner vorgesehenen Fassung und Auswertung, damit die Ergebnisse sinnvoll eingeordnet werden können.

Die beschriebenen Entwicklungsverfahren sind kein zusätzlicher Prüfauftrag für jede Therapiepraxis. Für die praktische Auswahl genügt: Prüfen Sie, ob die Frage des Instruments zur gewünschten Rückmeldung und zu den behandelten Personen passt, und wenden Sie die festgelegte Erhebung konsistent an. Die Methodik ist in den IQTIG-Abschnitten zur Fragebogenentwicklung und im OECD-PaRIS-Bericht, Kapitel 7.2.3–7.2.4 beschrieben.

Für eine informelle Rückmeldung halten Sie also fest, was die Patientin über die Versorgung erlebt und was sie über ihre Gesundheit oder Alltagstätigkeit berichtet. Ergänzen Sie die konkrete Nachfrage, den Zeitpunkt und die Vereinbarung für den nächsten Kontakt. Wenn Ihre Praxis ein PREM oder PROM auswerten möchte, verwenden Sie dafür das passende strukturierte Instrument und führen dessen Fragen und Auswertung konsistent durch. So bleiben Gespräch, Verlauf und gegebenenfalls Messung klar zugeordnet.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PREM und PROM in der Therapiepraxis?

PREMs erfassen Erfahrungen mit der Versorgung, PROMs den selbst berichteten Gesundheitszustand. Im Beispiel betrifft die verständliche Erklärung das Gespräch, die Schwierigkeit beim Anziehen eine berichtete Alltagstätigkeit. Als freie Notiz liefert die Aussage keinen standardisierten Messwert.

Wie halte ich Lob zur Erklärung und eine Alltagsschwierigkeit gemeinsam fest?

Benennen Sie die Gegenstände getrennt im selben Behandlungskontakt. Fragen Sie, welcher Teil des Gesprächs hilfreich war und was beim Anziehen aktuell schwerfällt. Halten Sie auch die besprochene Vereinbarung fest, damit der nächste Kontakt gezielt anschließen kann.

Welche Angaben machen eine Alltagsschwierigkeit im Verlauf verständlich?

Halten Sie die konkrete Tätigkeit, den Zeitpunkt und die geschilderten Bedingungen fest. Unterscheiden Sie die eigene Aussage der Patientin von einer späteren Beobachtung und ergänzen Sie, was heute besprochen wurde. So bleibt der Bezug zur früheren Schilderung nachvollziehbar.

Wann sollte eine Praxis ein strukturiertes PREM oder PROM verwenden?

Wenn Sie Rückmeldungen systematisch erheben oder vergleichen möchten, wählen Sie ein Instrument, dessen Thema und Zielgruppe zu Ihrer Frage passen. Verwenden Sie die vorgesehene Fassung und Auswertung konsistent. Eine spontane Gesprächsfrage bleibt eine Gesprächsnotiz und ist nicht automatisch ein Messwert.

Wie unterstützt easymed die Dokumentation von Patientenrückmeldungen?

In easymed führen Sie Befund und Verlauf je Termin. Die Patientenakte bündelt Verlauf, Dokumente und Hinweise je Patient; Textvorschläge aus bisherigen Formulierungen erleichtern wiederkehrende Einträge. Die konkrete Rückmeldung ergänzen Sie am passenden Behandlungskontakt.

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