Zum Inhalt
Team und Zusammenarbeit

Praxisleitung auf Distanz: Zwei Aufgaben priorisieren

So priorisiert eine Praxisleitung auf Distanz zwei Verwaltungsaufgaben: mit gemeinsamer Terminübersicht, klarer Entscheidungsfrist und vereinbartem Ersatzkontakt.

easymed.digital Redaktion 7 Min. Lesezeit
Praxisinhaberin mit einem Ohrhörer und geschlossenem Notizbuch neben einer Behandlungsliege.

Die Praxisleitung behandelt gerade, während eine Verwaltungskraft im Homeoffice zwei Aufgaben vorbereitet. Für die eine braucht sie eine kurze Entscheidung, die andere kann sie selbstständig weiterführen. Beide Nachrichten wirken auf den ersten Blick gleich dringend. Entscheidend ist, wann das Ergebnis gebraucht wird und ob die Kollegin ohne Freigabe weiterarbeiten kann.

Führung auf Distanz in einer Therapiepraxis heißt deshalb vor allem: Auftrag, Entscheidungsgrenze und Rückmeldezeit so benennen, dass beide Seiten denselben nächsten Schritt sehen. Zwei konkrete Verwaltungsaufgaben reichen, um die Abstimmung zu üben.

Der easymed-Teamkalender zeigt die Praxisplanung in Tages-, Wochen- und Monatsansicht sowie mit einer Spalte je Behandler. Praxisleitung und Verwaltung können damit dieselben belegten Zeiten prüfen. Welche Zeit bereits bestätigt ist, wer eine zusätzliche Möglichkeit freigibt und wann eine Rückmeldung hinausgeht, vereinbart das Team passend zur Aufgabe.

Zwei Aufträge nach ihrem nächsten Entscheidungspunkt vergleichen

Eine Patientin erwartet bis 11 Uhr eine Rückmeldung zu zwei möglichen Folgeterminen. Gleichzeitig soll eine interne Belegübersicht für ein Gespräch am nächsten Tag vorbereitet werden. Die Terminfrage braucht heute eine Entscheidung; die Belegübersicht wird erst morgen verwendet. Diese Unterschiede sind greifbarer als zwei Nachrichten mit dem Vermerk „dringend“.

Notieren Sie für jeden Auftrag, wann das Ergebnis gebraucht wird, wer darauf wartet und welche Entscheidung vorher noch nötig ist. Prüfen Sie außerdem, welche Teile unabhängig weiterlaufen können und wie viel Arbeitszeit sie voraussichtlich brauchen. Beginnen Sie mit der Aufgabe, deren Ergebnis früher benötigt wird oder deren offener Punkt den nächsten Arbeitsschritt blockiert. Bei gleicher Frist hilft ein kurzer Vergleich des Umfangs.

Trennen Sie den Zeitpunkt der Rückmeldung von der internen Entscheidungsfrist. Wenn die Patientin um 11 Uhr eine Antwort bekommen soll, kann das Team im Beispiel die Entscheidung für 10:30 Uhr vereinbaren. Die verbleibende halbe Stunde dient dazu, bestätigte Möglichkeiten zu prüfen, die Antwort vorzubereiten und den nächsten organisatorischen Schritt auszuführen. 10:30 Uhr ist hier ein passender Vorlauf für diesen Ablauf, kein allgemeiner Zeitabstand für jede Praxis.

Der frühere Verwendungszeitpunkt bestimmt die erste Entscheidung
Der frühere Verwendungszeitpunkt bestimmt die erste EntscheidungZwei Aufträge im ZeitvergleichTerminfrageEntscheidung: 10:30 UhrRückmeldung: 11 UhrBelegübersichtVerwendung: morgen
Heute braucht die Terminrückmeldung ihre Entscheidung bis 10:30 Uhr. Die Belegübersicht wird erst morgen verwendet.

Eine Interviewstudie untersuchte den Wechsel von 51 Beschäftigten eines Beratungsunternehmens in die virtuelle Teamarbeit. Die Befragten beschrieben, dass zusätzliche Prozessabsprachen zunächst halfen, bei sehr häufigen Check-ins aber auch unnötig viel Abstimmung entstand. Für eine Therapiepraxis lässt sich daraus als praktische Ableitung mitnehmen: Vereinbaren Sie einen kurzen gemeinsamen Startpunkt und ergänzen Sie nur dann einen weiteren Kontakt, wenn tatsächlich eine Entscheidung gebraucht wird. Whillans, Perlow und Turek beschreiben die Ergebnisse ihrer Interviewstudie.

Selbstständig bearbeitbare Teile bewusst freigeben

Die Terminfrage besteht aus mehreren Teilen: bestätigte Verfügbarkeiten prüfen, eine zusätzliche Zeit nur nach Freigabe anbieten und die Entscheidung festhalten. Die Verwaltung kann die bestätigten Möglichkeiten vergleichen und eine Antwort vorbereiten, während nur die zusätzliche Zeit auf eine Entscheidung wartet. So bleibt der bearbeitbare Teil in Bewegung, ohne dass eine unbestätigte Option zugesagt wird.

Bestätigte Möglichkeiten vorbereiten und eine Freigabe anfragen
Bestätigte Möglichkeiten vorbereiten und eine Freigabe anfragenBestätigte ZeitenVorbereiten?Zusätzliche ZeitFreigabe anfragen
Der vorhandene Terminstand bleibt bearbeitbar, während nur die zusätzliche Zeit eine Entscheidung benötigt.

Klären Sie vor dem Arbeitsblock, welche Schritte die Kollegin selbst ausführen darf. Zum Beispiel kann sie vorhandene Termine abgleichen und eine Rückmeldung zu bestätigten Zeiten vorbereiten. Eine noch nicht bestätigte Behandlerzeit oder eine Änderung außerhalb der üblichen Planung bleibt bei der zuständigen Praxisleitung. Wenn eine Kollegin vertritt, sollte sie denselben Auftrag und den zuständigen Kontakt erkennen können.

Für die Belegübersicht gilt derselbe Grundsatz mit anderem Inhalt. Vollständig zuordenbare Belege können zusammengestellt werden. Eine einzelne unklare Position erhält eine gezielte Rückfrage, etwa mit Datum und Lieferantenbezug. Damit liegen die lesbaren Teile morgen bereit und die offene Stelle fällt beim Durchsehen sofort auf.

Nach dem ersten Durchlauf fragen Sie, welche Freigabe tatsächlich gefehlt hat. War die Entscheidung nötig oder war nur der Auftrag unklar? Ergänzen Sie genau diese Information in der Aufgabenbeschreibung. Das verbessert den nächsten Übergabepunkt und vermeidet, dass die Kollegin bei jedem kleinen Arbeitsschritt einzeln nachfragen muss.

Einen kurzen Entscheidungsauftrag statt mehrerer Nachrichten senden

Eine hilfreiche Rückfrage enthält vier Dinge: den Anlass, den bestätigten Stand, die offene Entscheidung und den Zeitpunkt, bis zu dem die Antwort gebraucht wird. Im Beispiel könnte sie lauten: „Für die Rückmeldung bis 11 Uhr ist Zeit A bestätigt. Darf ich Zeit B zusätzlich anbieten? Bitte um Entscheidung bis 10:30 Uhr.“ Die Leitung kann den Sachverhalt einordnen und direkt antworten.

Ergänzen Sie den abgesprochenen Weg für eine ausbleibende Antwort, wenn die Frist eng ist. Eine einfache Vorlage lautet: „Anlass …; bestätigt …; offen ist …; Entscheidung bis …; falls nicht erreichbar, bitte …“. Die Verwaltung muss dann keine zweite Nachricht verfassen, um zunächst die Frage oder ihre Frist zu erklären.

Nutzen Sie für den Auftrag den vereinbarten Praxisweg und halten Sie die gültige Entscheidung dort fest. Wenn die Leitung Zeit B freigibt, kann eine Vertretung am selben Stand weiterarbeiten. Für die Terminfrage genügt der Bezug auf den passenden Planungseintrag; persönliche Nachrichten mit verschiedenen Zwischenständen müssen nicht zusammengesucht werden.

Eine geänderte Priorität mit ihrer Wirkung aussprechen

Während des Verwaltungsblocks kommt eine neue Aufgabe hinzu. Sagen Sie nicht nur „bitte auch noch ansehen“, sondern benennen Sie, was sich an der bestehenden Reihenfolge ändert: Welche Aufgabe kommt hinzu, wer übernimmt sie, und welcher andere Schritt darf warten? Die Kollegin kann so prüfen, ob der bisherige Entscheidungspunkt noch realistisch ist.

Im Beispiel dauert die zusätzliche organisatorische Vorbereitung voraussichtlich zehn Minuten. Die Entscheidung zur Terminrückmeldung wird weiterhin bis 10:30 Uhr gebraucht. Die Belegübersicht kann später beginnen, weil sie erst morgen vorliegen muss. Benennen Sie die verschobene Aufgabe und den Zeitpunkt, zu dem sie weitergeführt wird.

Berührt die neue Aufgabe ebenfalls die Rückmeldung um 11 Uhr, sprechen Sie die Änderung sofort an. Die Praxisleitung und Verwaltung können dann eine andere Antwortzeit abstimmen, bevor die Patientin eine Erwartung erhält, die das Team nicht einhalten kann.

Halten Sie die aktuell gültige Reihenfolge beim gemeinsamen Auftrag fest. Spätere Nachrichten beziehen sich auf diese Arbeitsfassung und nennen nur, was sich geändert hat. Das hilft der Verwaltung, auch nach einer Pause oder Übergabe mit demselben Stand weiterzuarbeiten.

Einen ausbleibenden Entscheidungsruf rechtzeitig auffangen

Legen Sie vor dem Arbeitsblock fest, wann die Praxisleitung für Rückfragen erreichbar ist und wer bei einer knappen Frist einspringt. Ein Ersatzkontakt kennt die noch offene Frage und weiß, ob er selbst entscheiden darf oder die Leitung einbeziehen muss. Die Kollegin erhält dadurch einen klaren nächsten Weg, ohne während des ganzen Blocks auf eine sofortige Antwort zu warten.

Im Terminbeispiel prüft die Verwaltung um 10:20 Uhr den Rückmeldestand. Fehlt die Entscheidung, nutzt sie den vereinbarten Kontakt. Bis 10:30 Uhr bleibt Zeit für diesen Schritt; um 11 Uhr folgt die Rückmeldung. Diese drei Zeitpunkte machen sichtbar, wann die Verwaltung selbst handelt, wann eine Freigabe gebraucht wird und wann das Ergebnis nach außen geht.

Den Entscheidungsruf vor der Rückmeldung auffangen
Den Entscheidungsruf vor der Rückmeldung auffangen10:2010:3011:00Stand prüfenEntscheidungRückmeldung
Um 10:20 Uhr wird der Stand geprüft, bis 10:30 Uhr die Entscheidung gebraucht und um 11 Uhr die Rückmeldung gegeben.

Eine Auswertung der BAuA-Arbeitszeitbefragung mit fünf Messzeitpunkten von 2015 bis 2023 fand einen Zusammenhang zwischen mehr Homeoffice-Tagen und höheren Erreichbarkeitserwartungen. Der Zusammenhang fiel bei Beschäftigten ohne Arbeitszeiterfassung stärker positiv aus; bei Beschäftigten mit Zeiterfassung war er geringer. Die Untersuchung belegt keine Ursache-Wirkung für eine einzelne Praxis. Als praktische Ableitung hilft es, feste Rückfragezeiten und den Ersatzweg ausdrücklich zu vereinbaren, statt eine ständige Erreichbarkeit vorauszusetzen. Die BAuA fasst die Untersuchung zu Erreichbarkeitserwartungen im Homeoffice zusammen.

Richten Sie die Rückmeldung nach außen am bestätigten Stand aus. Ist nur eine Möglichkeit freigegeben, kann genau diese besprochen werden. Eine noch ungeklärte Zeit bleibt offen; falls die Klärung länger dauert, stimmt die Verwaltung eine realistische neue Rückmeldung ab.

Den nächsten Verwaltungsblock aus einem konkreten Rückblick verbessern

Besprechen Sie nach dem Durchlauf die zwei Aufgaben. Lag die Terminentscheidung rechtzeitig vor? War die Belegübersicht für das Gespräch verwendbar? Welche Rückfrage entstand zusätzlich und welche Information hätte sie vermieden? So erkennen Sie, ob Frist, Freigabe oder Auftragsbeschreibung angepasst werden sollte.

Nehmen Sie für den nächsten Block eine konkrete Änderung vor. Vielleicht kommt der Terminauftrag früher zur Verwaltung, oder die Belegübersicht nennt den benötigten Zeitraum genauer. Prüfen Sie diese Änderung im nächsten tatsächlichen Arbeitsblock, bevor Sie weitere Regeln ergänzen.

Starten Sie mit zwei Verwaltungsaufgaben und öffnen Sie dazu den gemeinsamen Teamkalender. Vergleichen Sie den nächsten Verwendungszeitpunkt, vereinbaren Sie eine Entscheidungsfrist und benennen Sie den Ersatzkontakt. So wird aus der Praxisleitung auf Distanz ein klarer, wiederholbarer Arbeitsablauf.

Häufige Fragen

Wie priorisiert eine Praxisleitung Verwaltungsaufgaben auf Distanz?

Vergleichen Sie, wann jedes Ergebnis gebraucht wird, wer darauf wartet und welche Entscheidung vorher fehlt. Im Beispiel braucht die Terminrückmeldung heute eine Freigabe bis 10:30 Uhr; die Belegübersicht wird erst morgen verwendet. Prüfen Sie außerdem, welche Teile ohne diese Freigabe weiterlaufen können.

Wann braucht die Verwaltung eine Entscheidung vor einer Patientenrückmeldung?

Die interne Entscheidungsfrist liegt vor der angekündigten Rückmeldung. Im Beispiel wird für die Rückmeldung um 11 Uhr eine Freigabe bis 10:30 Uhr vereinbart. So bleibt Zeit, bestätigte Möglichkeiten zu prüfen und die Antwort vorzubereiten. Der Vorlauf richtet sich nach dem jeweiligen Ablauf.

Was hilft, wenn die Praxisleitung eine Rückfrage nicht rechtzeitig beantworten kann?

Vereinbaren Sie vor dem Arbeitsblock feste Rückfragezeiten und einen Ersatzkontakt. Klären Sie, welche Entscheidung diese Person selbst treffen darf und wann sie die Praxisleitung einbezieht. Fehlt die Freigabe, richtet sich die Rückmeldung nach den tatsächlich bestätigten Möglichkeiten.

Wie unterstützt easymed die Abstimmung mit einer Verwaltungskraft im Homeoffice?

Der easymed-Teamkalender bietet Tages-, Wochen- und Monatsansichten mit einer Spalte je Behandler. Leitung und Verwaltung können dadurch dieselben belegten Zeiten prüfen. Wer eine zusätzliche Möglichkeit freigibt und wann die Rückmeldung erfolgt, vereinbart das Team. Mehr zu easymed.

← Alle Blogartikel

Passend zu Ihrem Thema