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Team und Zusammenarbeit

Zwei Aufträge: Den eigenen Widerspruch klären

Wenn die Leitung zwei Aufgaben mit derselben Frist erteilt, braucht das Team eine Entscheidung. So klären Sie Ihren eigenen Anteil und ändern die Erwartung verständlich.

easymed.digital Redaktion 8 Min. Lesezeit
Praxisleitung und Kollegin sprechen an einem runden Tisch über zwei Notizzettel.

Die Praxisleitung bittet eine Empfangskollegin am Mittwoch, bis Freitag zwölf Uhr die Unterlagen für eine Teamrunde zusammenzustellen. Am Donnerstag erteilt sie derselben Person einen zweiten Auftrag: Auch die neue Besucherbroschüre soll bis Freitag zwölf Uhr geprüft sein. Beide Aufgaben brauchen Aufmerksamkeit. Am Freitag fragt die Leitung ungehalten, weshalb die Broschüre noch nicht fertig sei. Die Kollegin hatte mit den zuerst angeforderten Unterlagen begonnen.

Als Praxisleitung klären Sie widersprüchliche Aufträge, indem Sie beide Anweisungen samt Frist nebeneinanderlegen, den tatsächlich verfügbaren Arbeitsabschnitt mit der Kollegin prüfen und anschließend eine ausführbare Reihenfolge festlegen. Sagen Sie deutlich, was zuerst erledigt wird, welche Aufgabe eine neue Frist bekommt und wer die Empfänger der Änderung informiert.

Die eigene Reaktion am konkreten Anlass unterbrechen

Sprechen Sie die beobachtete Situation ruhig an, sobald ein geeignetes Gespräch möglich ist. Die Kollegin soll nicht vor Besuchern erklären müssen, weshalb sie einen Auftrag anders eingeordnet hat. Für die unmittelbare Arbeit wird zunächst geklärt, was jetzt gebraucht wird. Die Frage nach den vorausgegangenen Anweisungen bekommt anschließend ihren eigenen ungestörten Rahmen.

Im Beispiel beginnt die Leitung mit ihrem eigenen Beitrag: „Ich habe Ihnen zwei Aufgaben für Freitag zwölf Uhr gegeben und keine Reihenfolge genannt. Gerade habe ich die offene Broschüre kritisiert, ohne nach den Unterlagen zu fragen.“ Diese Beschreibung benennt zwei Aufträge und die voreilige Reaktion. Die Person muss nicht erst beweisen, dass ihre Sicht überhaupt angehört werden darf.

Vermeiden Sie eine Erklärung, die die Verantwortung sofort wieder verschiebt. „Sie hätten wissen müssen, was wichtiger ist“ beantwortet nicht, welche Priorität die Leitung tatsächlich mitgeteilt hat. Fragen Sie vielmehr, welche Anweisung bei der Kollegin angekommen ist. Sie können anschließend unterscheiden, was ausdrücklich vereinbart war und was Sie selbst nur vorausgesetzt hatten.

Eine kurze klare Entschuldigung kann zu diesem eigenen Anteil gehören. Sie wird mit der weiteren Klärung verbunden, statt als Ende des Gesprächs zu dienen. Die offene Arbeit bleibt bestehen. Die Kollegin braucht nun eine ausführbare Entscheidung und die passende Korrektur der Erwartung. Freundliche Worte allein ändern die doppelte Frist noch nicht.

Die beiden Aufträge aus Sicht der Kollegin lesen

Legen Sie die tatsächlich erteilten Aufträge nebeneinander. Welche Aufgabe wurde wann genannt, welches Ergebnis wurde verlangt und welche Frist stand dabei? Im Beispiel ging der Auftrag für die Teamunterlagen am Mittwoch ein. Die Bitte zur Broschüre folgte am Donnerstag. Beide nannten Freitag zwölf Uhr. Eine ausdrückliche Änderung des ersten Auftrags gab es nicht.

Zwei Anweisungen führen zur gleichen Frist
Der Mittwochauftrag für die Teamunterlagen und die Donnerstagbitte zur Broschüre nannten beide Freitag zwölf Uhr. MittwochDonnerstagTeam-unterlagenBroschüreFreitag · 12 Uhr
Der Mittwochauftrag für die Teamunterlagen und die Donnerstagbitte zur Broschüre nannten beide Freitag zwölf Uhr.

Die Kollegin erklärt ihre Reihenfolge: Zuerst bereitete sie die Teamunterlagen vor, anschließend wollte sie die Broschüre prüfen. Fragen Sie nach dem dafür vorhandenen Arbeitsabschnitt. Vielleicht konnte sie eine Aufgabe früher beginnen; vielleicht blieb zwischen laufender Empfangsarbeit nur ein einzelnes betreutes Fenster. Die tatsächlich nutzbare Zeit wird aus ihrem beschriebenen Tag verständlich.

Lesen Sie Ihre Nachricht mit diesem Hintergrund nochmals. Enthielt sie „zusätzlich“, „stattdessen“ oder nur die neue Aufgabe? Diese Wörter können unterschiedliche Erwartungen ausdrücken. Wenn die neue Bitte einen alten Auftrag verdrängen sollte, hätte die Leitung diese Entscheidung mitgeben müssen. Die Kollegin konnte eine unausgesprochene Änderung nicht aus zwei gleichlautenden Fristen ableiten.

Behandeln Sie ihre Reihenfolge als Information zu diesen Aufträgen, nicht als Beweis für eine allgemeine Eigenschaft. Die britische Arbeitsschutzbehörde HSE empfiehlt klare, möglichst miteinander vereinbare Anforderungen und einen Weg, Unsicherheiten oder Rollenkonflikte anzusprechen (HSE: klare Rollen und Zuständigkeiten). Auf den Fall übertragen heißt das: Die Kollegin darf die Fristkollision benennen; die Leitung entscheidet die offene Priorität.

Den Zeitbedarf mit dem verfügbaren Abschnitt vergleichen

Betrachten Sie die beiden Aufgaben mit ihrem tatsächlichen Umfang. Im Zeitbeispiel sind für die Teamunterlagen 30 Minuten und für die Broschürenprüfung 25 Minuten vorgesehen. Zusammen sind das 55 Minuten. Der bestätigte freie Arbeitsabschnitt vor zwölf Uhr umfasst 40 Minuten. Es fehlen also 15 Minuten, selbst wenn beide Aufgaben ohne weitere Unterbrechung durchgeführt werden könnten.

Der Auftrag ist im vorhandenen Abschnitt zu groß
30 und 25 Minuten ergeben 55 Minuten Bedarf. Vor zwölf Uhr sind 40 Minuten verfügbar; es fehlen 15 Minuten. Zeitbeispiel für die beiden Aufgaben30 Minuten25 MinutenBedarf: 55 Minuten40 min verfügbar · 15 min fehlen
30 und 25 Minuten ergeben 55 Minuten Bedarf. Vor zwölf Uhr sind 40 Minuten verfügbar; es fehlen 15 Minuten.

Dieser Vergleich beschreibt die gewählte Beispielplanung. Fragen Sie die Kollegin, ob der angenommene Umfang zu den vorliegenden Unterlagen passt. Eine kurze Broschüre mit bereits markierten Änderungen ist anders zu prüfen als ein neuer vollständiger Entwurf. Die Leitung benötigt den tatsächlichen Arbeitsbedarf, bevor sie aus einer offenen Aufgabe ein vermeintliches Zeitmanagementproblem macht.

Wenn die Kollegin zugleich Behandlerin ist, zeigt easymed in der Arbeitszeit- und Urlaubsplanung geplante Arbeitszeiten, Abwesenheiten und Sperrzeiten je Behandler:in. Das hilft, Praxiszeitfenster mit der Woche abzugleichen. Die Software weist keine Organisationsaufgaben zu und misst nicht deren Bearbeitungsminuten; Empfangsübernahme und tatsächlich freie Zeit klären Sie deshalb weiterhin direkt mit ihr.

Fragen Sie auch, ob die Leitung inzwischen eine weitere Aufgabe in denselben Abschnitt gegeben hat. Ein ursprünglich passender Rahmen kann dadurch verändert worden sein. Halten Sie die gegenwärtige Lage fest. Die Entscheidung soll an den heutigen Voraussetzungen beginnen und nicht an einer Woche, die im ursprünglichen Auftrag anders geplant war.

Eine Reihenfolge mit veränderter Frist entscheiden

Die Leitung entscheidet nun am tatsächlichen Bedarf. Im Beispiel werden die Teamunterlagen für die bereits vereinbarte Runde benötigt. Die Broschürenprüfung kann nachmittags stattfinden. Die Leitung bestätigt deshalb: Die Teamunterlagen bleiben bis zwölf Uhr fällig, die Broschüre erhält den abgestimmten späteren Abschnitt und eine entsprechend geänderte Frist.

Die Entscheidung verändert die Erwartung
Die Teamunterlagen bleiben bis zwölf Uhr fällig; die Broschüre erhält den bestätigten späteren Abschnitt und eine geänderte Frist. Teamunterlagenbis 12 UhrBroschürebestätigt am NachmittagDie Leitung ändert die Frist
Die Teamunterlagen bleiben bis zwölf Uhr fällig; die Broschüre erhält den bestätigten späteren Abschnitt und eine geänderte Frist.

Vereinbaren Sie den neuen Zeitraum mit der Kollegin und den betroffenen Rollen. Eine verschobene Frist braucht weiterhin nutzbare Arbeitszeit. Im Beispiel wird für die Broschüre ein bereits verfügbarer Abschnitt am Nachmittag geprüft und bestätigt. Die Aufgabe rutscht nicht einfach unbesprochen hinter das Dienstende. Die Entscheidung verändert die Erwartung und den tatsächlichen Platz der Arbeit zusammen.

Erklären Sie auch, wer außerhalb des Einzelgesprächs die neue Information braucht. Wenn eine andere Person die geprüfte Broschüre erwartet, erhält sie die berichtigte Frist von der Leitung. Die Empfangskollegin muss den Widerspruch nicht nachträglich gegenüber allen Beteiligten rechtfertigen. Die Person, die den Auftrag geändert hat, trägt die Entscheidung an den benötigten Anschluss weiter.

Halten Sie die neue Reihenfolge dort fest, wo die ursprünglichen Aufträge verwendet werden. Eine mündliche Korrektur neben zwei unveränderten schriftlichen Fristen würde das nächste Missverständnis vorbereiten. Die Kollegin sieht nun den bestätigten Stand und kann erklären, welches Ergebnis zuerst benötigt wird. Eine Vertretung erhält dieselbe verständliche Grundlage.

Die Rückmeldung als Hinweis auf die eigene Auftragserteilung nutzen

Fragen Sie die Kollegin, welcher Zusatz in Ihrer zweiten Nachricht den Widerspruch früher geklärt hätte. Vielleicht hätte „Diese Aufgabe kommt hinzu; die Reihenfolge besprechen wir vor dem Beginn“ bereits eine brauchbare Rückfrage eröffnet. Vielleicht brauchte sie eine ausdrückliche geänderte Frist für den ersten Auftrag. Die Antwort bleibt bei dem beobachteten Informationsbedarf.

Die Leitung nimmt daraus eine kleine eigene Arbeitsregel mit: Wenn sie einer Person vor einem bereits vereinbarten Abschluss einen zweiten Auftrag gibt, benennt sie dessen Verhältnis zum ersten. Bleibt die Priorität noch offen, sagt sie, wann sie diese entscheidet. Die Kollegin darf die doppelte Frist als konkrete Frage ansprechen. Sie soll keine unausgesprochene Rangfolge erraten müssen.

Eine zweiwellige Befragung mit 238 Beschäftigten und 45 Führungskräften aus 31 Organisationen in Südostchina fand einen positiven Zusammenhang zwischen wahrgenommener Führungsdemut und von Führungskräften eingeschätzten Rückmeldungen der Beschäftigten. Die gemessene Führungsdemut umfasste, eigene Grenzen anzuerkennen, Stärken anderer wahrzunehmen und lernbereit zu sein. Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Studiendesign keine sichere Ursache-Wirkung-Aussage erlaubt (Studie zu Führungsverhalten und Mitarbeiterrückmeldung). Für Ihren Fall zählt deshalb die konkrete Handlung: Fragen Sie nach der fehlenden Information und zeigen Sie in der neuen Frist, was Sie daraus geändert haben.

Nutzen Sie beim nächsten passenden Auftrag einen kurzen Check-back. Die AHRQ beschreibt ihn in ihren TeamSTEPPS-Materialien als Rückbestätigung: Die empfangende Person gibt die erhaltene Information in eigenen Worten zurück, der Absender bestätigt oder korrigiert (AHRQ: Check-back in Gesundheitsteams). Auf die Praxisorganisation übertragen könnte die Kollegin sagen: „Die Teamunterlagen bleiben bis Freitag zwölf Uhr fällig; für die Broschüre vereinbaren wir einen freien Abschnitt am Nachmittag. Ist das die neue Reihenfolge?“ Sie bestätigen den Stand und informieren die Personen, die auf das Ergebnis warten.

Bleibt ein weiterer Widerspruch, suchen Sie wieder die konkrete Stelle. Vielleicht haben zwei Leitungspersonen unterschiedliche Fristen erteilt. Dann brauchen diese Personen eine gemeinsame Entscheidung. Eine zusätzliche Erinnerung an die Empfangskraft würde den Widerspruch zwischen den Auftraggebenden nicht lösen. Die Veränderung folgt der tatsächlichen Ursache, die im Gespräch sichtbar geworden ist.

Den eigenen Anteil auch beim Rückblick benennen

Fragen Sie nach der Umsetzung, ob die beiden Aufgaben mit der bestätigten Reihenfolge bearbeitet werden konnten. Waren Unterlagen und Broschüre im jeweils benötigten Zeitraum verfügbar? Konnte die Kollegin eine offene Frage erreichen? Der Rückblick richtet sich an der tatsächlich geänderten Erwartung aus und macht daraus kein allgemeines Urteil über ihre Leistungsbereitschaft.

Nennen Sie Ihren eigenen Lernertrag gegenüber der Person. „Die Reihenfolge war zuerst von mir nicht geklärt; beim nächsten zusätzlichen Auftrag gebe ich sie mit“ zeigt die konkrete Veränderung. Die Leitung braucht dafür keine lange Erklärung über ihre gesamte Führungspersönlichkeit. Die Mitarbeiterin kann am nächsten Auftrag erkennen, ob der besprochene Punkt aufgegriffen wurde.

Gehen Sie beim Rückblick die korrigierten Fristen durch: Wurden die Teamunterlagen bis zwölf Uhr gebraucht, konnte die Broschüre in einem bestätigten späteren Abschnitt geprüft werden, und erhielten alle wartenden Empfänger die Änderung? Notieren Sie die Ergänzung, die Sie bei einem zweiten Auftrag künftig mitgeben. So wird aus der Klärung eine konkrete Arbeitsregel für die nächste Fristkollision.

Häufige Fragen

Wie kläre ich als Praxisleitung zwei eigene Aufträge mit derselben Frist?

Benennen Sie die beiden Anweisungen und die fehlende Reihenfolge. Lassen Sie die Kollegin erklären, was sie verstanden hat und welcher Arbeitsabschnitt vorhanden war. Lesen Sie die tatsächlich erteilten Aufträge nebeneinander. Die Leitung entscheidet anschließend eine ausführbare Priorität und berichtigt die betroffene Erwartung.

Was zeigt der Vergleich von Arbeitsbedarf und verfügbarem Zeitraum?

Im Zeitbeispiel brauchen Teamunterlagen 30 Minuten und Broschürenprüfung 25 Minuten, zusammen 55 Minuten. Vor zwölf Uhr sind nur 40 Minuten verfügbar; es fehlen 15 Minuten. Prüfen Sie den angenommenen Umfang mit der Kollegin und die bestätigte Empfangsübernahme. Ist sie zugleich Behandlerin, kann easymed den Planrahmen aus Arbeitszeit, Abwesenheit und Sperrzeit zeigen; die Software plant keine Bearbeitungsminuten für Organisationsaufgaben.

Reicht es, der Kollegin mündlich eine neue Priorität zu nennen?

Verbinden Sie die Entscheidung mit nutzbarer Arbeitszeit und einer berichtigten Frist. Im Beispiel bleiben die Teamunterlagen bis zwölf Uhr fällig; die Broschüre bekommt einen bestätigten Nachmittagstermin. Die Leitung informiert betroffene Empfänger und hält die Änderung dort fest, wo die ursprünglichen Aufträge verwendet werden.

Wie kann ich widersprüchliche Arbeitsanweisungen beim nächsten Auftrag vermeiden?

Benennen Sie bei einer zusätzlichen Aufgabe ihr Verhältnis zum laufenden Auftrag. Bleibt die Priorität offen, nennen Sie den Zeitpunkt Ihrer Entscheidung. Beim nächsten passenden Anlass gibt die Kollegin zurück, wie sie die Anweisung verstanden hat. Ein neuer Widerspruch wird an seiner konkreten Ursache bearbeitet, etwa unterschiedlichen Vorgaben zweier Leitungspersonen.

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