Zum Inhalt
Software und Digitalisierung

Therapeuten-Software: Anforderungen klar ordnen

Ordnen Sie Anforderungen an Therapeutensoftware nach Kernaufgaben, Sonderfällen und späteren Wünschen. Prüfen Sie Arbeitsabläufe mit konkreten Testfällen.

easymed.digital Redaktion 4 Min. Lesezeit
Praxisteam ordnet Anforderungen an eine neue Verwaltungssoftware am Besprechungstisch.

Wenn Sie Therapeutensoftware auswählen, hilft eine Anforderungsliste, die konkrete Arbeitsaufgaben Ihrer Praxis abbildet. Ordnen Sie die Punkte nach beteiligten Rollen, erwartetem Ergebnis und Startpriorität. So vergleichen Sie Anbieter am selben Praxisfall. easymed führt Kalender, Patientenakte und Behandlungsdokumentation als enthaltene Funktionen. In der Funktionsübersicht sehen Sie diese Ausgangspunkte; in der Demo prüfen Sie, ob Ihr täglicher Ablauf damit so funktioniert, wie Ihr Team ihn braucht.

Sammeln Sie Anforderungen aus allen Rollen

Bitten Sie Empfang, Behandler und Verwaltung, typische Vorgänge vom Auslöser bis zum Abschluss zu beschreiben. Wer beginnt? Welche Information wird gebraucht? Wer übernimmt als Nächstes? Woran erkennen Sie, dass die Aufgabe erledigt ist? Notieren Sie auch, welche Rolle das Ergebnis sehen oder weiterbearbeiten muss.

„Eine Terminänderung an die nächste zuständige Person übergeben“ beschreibt eine Aufgabe. „Eine bessere Übersicht“ bleibt ein Wunsch, bis klar ist, welche Information welche Rolle wann sehen soll. Beginnen Sie mit wiederkehrenden Abläufen. Sammeln Sie seltene Fälle separat und nehmen Sie sie dann in die Kernliste auf, wenn sie für Ihre Versorgung oder Organisation wichtig sind.

Beschreiben Sie Ergebnisse statt Menüpunkte

Eine Funktion ist noch keine vollständige Anforderung. Ein Kalender wird beispielsweise für verschiedene Ziele benötigt: passende Zeiten finden, mehrere Behandler abstimmen oder kurzfristige Ausfälle bearbeiten. Schreiben Sie zu jedem Punkt auf, welches Ergebnis nach der Bearbeitung sichtbar sein soll.

Aus „Abrechnung“ wird ein prüfbares Ergebnis
Ein Ergebnis als Anforderung beschreiben „Abrechnung“ „Die Verwaltung erkennt,welche Leistungen tatsächlichstattgefunden haben und nochbearbeitet werden müssen.“ An einem vollständigen Vorgangin der Demo prüfen
Die Verwaltung erkennt erbrachte und noch zu bearbeitende Leistungen.

Nutzen Sie dabei einen einfachen Satz: „Die Verwaltung erkennt, welche Leistungen tatsächlich stattgefunden haben und noch bearbeitet werden müssen.“ Dieser Satz lässt sich in einer Demo anhand eines Vorgangs prüfen. Eine Liste mit Begriffen wie Kalender, Akte und Abrechnung liefert weniger Orientierung. Durch die Beschreibung des Ergebnisses bleibt außerdem Raum für einen anderen, möglicherweise verständlicheren Arbeitsweg als im bisherigen System.

Für jede Kernanforderung genügen zunächst fünf Angaben: Aufgabe und Rolle, erwartetes Ergebnis, Priorität, ein passender Testfall und der Nachweis, an dem Sie die Umsetzung beurteilen. So bleibt die Liste kurz genug für einen Anbietertermin und konkret genug für eine spätere Entscheidung.

Teilen Sie die Anforderungen nach ihrer Bedeutung

Ordnen Sie Ihre Punkte in drei Gruppen: Kernaufgaben, die zum Start funktionieren müssen; wichtige Sonderfälle, die seltener auftreten; und Erweiterungen für später. Besprechen Sie die Reihenfolge gemeinsam, damit Empfang, Behandlung und Verwaltung dieselben Erwartungen haben.

Halten Sie organisatorische Voraussetzungen neben der technischen Anforderung fest. Für eine digitale Vorbereitung des Ersttermins muss Ihre Praxis beispielsweise entscheiden, welche Angaben vorab gebraucht werden und wer sie prüft. Die Software kann diese interne Entscheidung nicht für Ihr Team treffen. Wenn sie noch offen ist, notieren Sie sie als Klärungspunkt statt als fehlende Funktion.

Testen Sie dieselben Arbeitsfälle bei den Anbietern

Formulieren Sie für jede Kernaufgabe einen kleinen Testfall: Ausgangssituation, beteiligte Rolle, gewünschter Arbeitsschritt und sichtbares Ergebnis. Ergänzen Sie eine typische Änderung, etwa eine verschobene Terminfolge. Lassen Sie die Person, die den Vorgang später übernimmt, selbst durch die Demo gehen. Halten Sie fest, was funktioniert, welche Frage offenbleibt und wo eine zusätzliche Einrichtung nötig wäre.

Vergleichen Sie anschließend die Antworten der Anbieter anhand derselben Punkte. Die KBV nennt für ärztliche und psychotherapeutische Praxen unter anderem Schnittstellen, Support, Preismodell, Erweiterungsmodule und Datenübernahme als Kriterien. Für die Vorauswahl empfiehlt sie zwei bis drei schriftliche Angebote mit klar ausgewiesenen Kosten für Einrichtung, Datenübernahme und Betrieb sowie die Nutzung von Demos. Diese Prüfpunkte helfen auch Therapiepraxen bei der Vorbereitung; welche Abläufe für Ihre Fachrichtung entscheidend sind, ergibt sich aus Ihrer eigenen Anforderungsliste.

Klären Sie Datenübernahme und Schnittstellen früh

Beim Wechsel fragen Sie konkret, welche Patienteninformationen, Dokumentationen, Termine, Adressen und Anhänge übernommen werden, in welchem Format der Export erfolgt und ob ein Testimport möglich ist. Entscheiden Sie auch, ob Sie historische Unterlagen in der neuen Software brauchen oder vorübergehend weiter im Altsystem nachschlagen. Die KBV empfiehlt, die unterstützten Schnittstellen beider Anbieter und einen Testlauf vorab zu klären.

Wenn TI-Anwendungen zu Ihren Anforderungen gehören, benennen Sie die konkrete Anwendung statt nur „TI-Schnittstelle“ einzutragen. Die gematik-Checkliste für Heilmittelerbringer weist darauf hin, dass die Praxissoftware für die Nutzung der TI-Komponenten und -Anwendungen in der Regel ein Systemupdate benötigt. Klären Sie daher früh, welche Anwendung Ihre Software unterstützt, wer das Update begleitet und wie sich die Einrichtung in den Praxisablauf einfügt.

Wenn Ihr Softwareanbieter Patientendaten im Auftrag Ihrer Praxis verarbeitet, gehört auch der spätere Datenweg in die Auswahl. Der Europäische Datenschutzausschuss beschreibt, welche Punkte ein Vertrag mit einem Auftragsverarbeiter regeln muss, darunter die Rückgabe oder Löschung der Daten bei Vertragsende. Fragen Sie den Anbieter deshalb nach Exportmöglichkeiten, Übergabeformat und dem vereinbarten Ablauf zum Vertragsende.

Entscheiden Sie anhand der Ergebnisse

Stellen Sie in einer Vergleichsmatrix pro Kernaufgabe gegenüber, ob der Testfall funktioniert hat, welche Antwort noch fehlt und welche Kosten oder Einrichtungsarbeiten dazugehören. Ein abgehakter Funktionsname sagt weniger aus als ein nachvollziehbares Ergebnis im Arbeitsablauf. Die Liste bleibt nach der Auswahl nützlich: Sie gibt dem Team eine Grundlage für Schulung, Start und spätere Erweiterungen.

Die easymed-Funktionsübersicht zeigt Kalender, Patientenakte und Behandlungsdokumentation als enthaltene Bereiche. Nutzen Sie Ihre Kernaufgaben als Leitfaden und prüfen Sie in der Demo, ob easymed die für Ihre Praxis wichtigen Abläufe abbildet.

Häufige Fragen

Wie formuliere ich eine prüfbare Anforderung an Therapeutensoftware?

Beschreiben Sie den Vorgang aus Sicht der beteiligten Rolle: Auslöser, benötigte Informationen, gewünschtes Ergebnis und woran Sie den Abschluss erkennen. „Bessere Übersicht“ wird prüfbar, wenn feststeht, wer welche Information wann sehen soll. Testen Sie den Ablauf anschließend mit der Person, die ihn später übernimmt.

Wie priorisiere ich Anforderungen an Praxissoftware?

Ordnen Sie die Punkte in Kernaufgaben für den Start, wichtige seltenere Sonderfälle und Erweiterungen für später. Stimmen Sie die Reihenfolge mit den beteiligten Rollen ab. Wenn eine Softwarefunktion erst nach einer internen Entscheidung sinnvoll genutzt werden kann, halten Sie diese Entscheidung als eigenen Klärungspunkt fest.

Wie vergleiche ich die Demos verschiedener Anbieter?

Verwenden Sie denselben Praxisfall und dieselbe Rolle. Notieren Sie Ausgangssituation, Arbeitsschritt und sichtbares Ergebnis; prüfen Sie auch eine typische Änderung wie einen verschobenen Termin. Halten Sie je Anforderung fest, ob der Ablauf in der Demo funktionierte, eine Frage offenblieb oder zusätzliche Einrichtung nötig ist.

Worauf sollte ich bei einer Datenübernahme achten?

Lassen Sie auflisten, welche Patienteninformationen, Dokumentationen, Termine, Adressen und Anhänge übertragbar sind und in welchem Format sie ausgegeben werden. Fragen Sie nach einem Testimport, den Kosten und dem Zugriff auf historische Unterlagen. Wenn der Anbieter Daten im Auftrag Ihrer Praxis verarbeitet, klären Sie auch die Rückgabe oder Löschung bei Vertragsende.

Was sollte ich bei TI-Anforderungen an Therapeutensoftware prüfen?

Benennen Sie die konkrete TI-Anwendung, die Ihre Praxis nutzen möchte. Fragen Sie, welche Softwareversion sie unterstützt, ob ein Update nötig ist und wer die Einrichtung begleitet. Die gematik weist darauf hin, dass für die Nutzung der TI-Komponenten und -Anwendungen in der Regel ein Update der Praxissoftware erforderlich ist.

← Alle Blogartikel

Passend zu Ihrem Thema