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Praxisorganisation

Praxisprozesse verbessern ohne fremde Abläufe zu kopieren

Praxisprozesse verbessern: Erfassen Sie den tatsächlichen Ablauf, passen Sie gute Ideen an Team und Patientenstruktur an und erproben Sie eine konkrete Änderung.

easymed.digital Redaktion 6 Min. Lesezeit
Drei Therapeuten besprechen den Praxisablauf anhand farbiger Karten auf einem Holztisch.

Praxisprozesse verbessern Sie am besten mit einem klar abgegrenzten Vorgang: Machen Sie den tatsächlichen Ablauf sichtbar, wählen Sie das hilfreiche Prinzip hinter einer Idee und prüfen Sie eine einzelne Änderung im eigenen Alltag. So erkennen Sie, welcher Schritt für Ihr Team wirklich besser funktioniert.

Wenn der Ablauf Termine, Patientenkontakt und Behandlung verbindet, stehen Ihnen in easymed Teamkalender, Patientenakte und Behandlungsdokumentation im selben Praxisprogramm zur Verfügung. Sie organisieren Termine im Teamkalender, sehen Hinweise und Dokumente in der Patientenakte ein und halten Befund und Verlauf je Termin fest. Welche Person eine Information einträgt und wer den nächsten Schritt übernimmt, vereinbart Ihr Team. Mehr dazu erfahren Sie in der easymed-Funktionsübersicht.

Den tatsächlichen Praxisablauf erfassen

Wählen Sie einen wiederkehrenden Vorgang mit erkennbarem Anfang und Ende, zum Beispiel den Weg von einer Terminanfrage bis zur Vorbereitung eines Ersttermins. Folgen Sie einem typischen Ablauf Schritt für Schritt: Wer nimmt die Anfrage an? Welche Angabe wird ergänzt? Wo wartet der Vorgang, und was braucht die nächste Person, um weiterzuarbeiten?

Notieren Sie außerdem, wie der Abschluss erkennbar wird und welche Ausnahme häufig vorkommt. Im Aufnahmebeispiel könnte das heißen: Die Kontaktangabe ist vorhanden, eine Rückfrage ist einer Person zugeordnet und die nächste Rolle weiß, wo sie den Stand findet. Eine kurze Skizze macht sichtbar, ob eine Information mehrfach erfasst oder bei einer Übergabe ergänzt wird.

Halten Sie fest, was tatsächlich geschieht, nicht nur was in einer Beschreibung vorgesehen ist. Die AHRQ empfiehlt Workflow-Mapping als Werkzeug zur Verbesserung von Abläufen in Praxen; sogenannte Swimlanes können dabei die Aufgaben der einzelnen Teamrollen sichtbar machen. AHRQ: Workflow-Mapping im Gesundheitswesen. Beziehen Sie die Menschen ein, die den Vorgang ausführen und die Information im nächsten Schritt benötigen.

Suchen Sie das nützliche Prinzip hinter einer fremden Idee

Eine fremde Lösung kann einen guten Hinweis enthalten, ohne dass ihre sichtbare Form zu Ihrem Team passt. Fragen Sie deshalb zuerst: Welches Problem soll kleiner werden, an welcher Stelle im Ablauf entsteht es, und wer braucht das Ergebnis? Das Institute for Healthcare Improvement empfiehlt, den bestehenden Ablauf zu untersuchen, Ideen aus dem Team und von Betroffenen einzubeziehen und Änderungen an den örtlichen Kontext anzupassen. IHI: Änderungen auswählen und an den Kontext anpassen.

Eine Kollegin empfiehlt vor jedem Ersttermin ein umfangreiches digitales Formular. Ihre Praxis nimmt viele Kinder auf, deren organisatorische Angaben oft eine Bezugsperson übermittelt. Der nützliche Kern kann eine verlässlich verfügbare Kontaktinformation sein – nicht das ganze Formular und nicht jedes Feld daraus.

Eine fremde Formularidee auf eine benötigte Kontaktinformation zurückführen
Die Formularidee auf den Zweck bringen Fremde Empfehlung Umfangreiches digitales Formular Eigene Ausgangslage Kinder: Angaben durch Bezugsperson Benötigte Information Kontaktweg für Terminabsprachen Erfassen · prüfen · wiederfinden Zuständigkeit und Ablage vereinbaren. Das Eingabeformat danach wählen.
Die eigene Patientenstruktur bestimmt, welche Angabe vor dem Ersttermin benötigt wird. Zuständigkeit und Ablage stehen vor der Wahl des Formulars.

Wählen Sie für den ersten Schritt eine häufig benötigte Angabe, zum Beispiel den bevorzugten Kontaktweg für Terminabsprachen. Vereinbaren Sie, wer sie aufnimmt, wer sie prüft und wo die nächste Person sie wiederfindet. Erst dann entscheiden Sie, ob dafür ein Formular, eine kurze Abfrage oder ein anderer Eingabeweg passt.

Zuständigkeit und Abschluss an jedem Übergang benennen

Besprechen Sie die Skizze mit den Personen, die Aufnahme und Behandlung tatsächlich bearbeiten. Der Empfang kennt typische Rückfragen; die behandelnde Person kann sagen, welche Information vor dem Ersttermin gebraucht wird. Der gemeinsame Blick auf einen konkreten Vorgang zeigt, an welcher Stelle Angaben fehlen oder eine Aufgabe zwischen zwei Rollen liegen bleibt.

Formulieren Sie für jeden kritischen Schritt eine zuständige Rolle und einen sichtbaren Abschluss. „Das Team prüft die Unterlagen“ lässt offen, wer beginnt und woran die nächste Person die erledigte Prüfung erkennt. Für die Aufnahme könnte die Vereinbarung etwa lauten: Eine zuständige Person prüft die Kontaktangabe vor der Terminbestätigung; die Behandlung sieht sie am vereinbarten Ort, bevor sie den Ersttermin vorbereitet.

Eine Empfangsmitarbeiterin und ein Therapeut besprechen an einem Tisch in einer hellen Praxis ein unbeschriftetes Blatt; die Frau zeigt auf das Blatt, neben ihnen liegen eine geschlossene Mappe und ein offenes Notizbuch. KI Generiert
Empfang und Behandlung gleichen ab, welche Information gebraucht wird und wer den nächsten Schritt übernimmt.

Klären Sie auch die häufigste Ausnahme: Wer übernimmt die Rückfrage, wenn die Kontaktangabe fehlt, und wann gilt sie als erledigt? So lässt sich die neue Routine bei einer Vertretung nachvollziehen. Die passende Rollenaufteilung bleibt eine Entscheidung des Teams und wird vor der technischen Einrichtung festgehalten.

Eine Morgenbesprechung auf versetzte Schichten anpassen

Eine andere Praxis nutzt ein tägliches Startgespräch. In Ihrem Team beginnen die Schichten zu unterschiedlichen Zeiten. Übernehmen Sie das Ziel der Idee – eine verlässliche Übergabe – und legen Sie fest, was die nächste Person wissen muss: welche Termine gelten, welche Rückfrage offen ist und wer den nächsten Schritt übernimmt. Ein gemeinsamer Gesprächstermin ist dafür eine mögliche Form, aber nicht die einzige.

Die Übergabe bei unterschiedlichen Schichtstarts gemeinsam organisieren
Wirkung statt Meetingform übernehmen Fremde Routine Tägliches Startgespräch Eigener Dienstplan Schichten beginnen versetzt Gemeinsamer Stand für die nächste Rolle Welche Termine gelten? Welche Rückfrage ist offen? Wer übernimmt den nächsten Schritt? Im Test: Raumwechsel und Vertretung
Ein tägliches Startgespräch ist eine mögliche Form. Für den nächsten Schritt zählen gültige Termine, offene Rückfragen und eine sichtbare Zuständigkeit.

Sie können den aktuellen Stand im vorgesehenen Arbeitsweg festhalten und kurze gemeinsame Absprachen an den Tagen ergänzen, an denen sich das Team überschneidet. Erproben Sie diese Vereinbarung beispielsweise eine Woche lang mit einem Raumwechsel und einer Vertretung. Die nächste Schicht sollte den gültigen Terminstand und die zugeordnete Rückfrage ohne zusätzliche mündliche Nachreichung erkennen.

Falls eine Information dennoch wiederholt erklärt werden muss, halten Sie genau fest, welche Angabe im gemeinsamen Stand fehlte. Ergänzen Sie diese Stelle und prüfen Sie sie beim nächsten Übergang erneut. So verbessern Sie die tatsächliche Lücke, ohne den gesamten Besprechungsrhythmus einer anderen Praxis zu kopieren.

Erproben Sie eine einzelne Änderung im kleinen Rahmen

Ein Prozessversuch wird leichter auswertbar, wenn Ziel, Vorhersage und Beobachtung vor dem Start klar sind. Beim Aufnahmebeispiel könnte die Arbeitsfrage lauten: Findet die nächste zuständige Person den vereinbarten Kontaktweg vor dem Ersttermin? Halten Sie fest, wer den neuen Schritt wann und in welchem Teil des Ablaufs ausprobiert. Das Institute for Healthcare Improvement beschreibt dafür den PDSA-Zyklus: planen, ausprobieren, Ergebnisse beobachten und die Änderung anhand des Gelernten anpassen. Frühe Tests sollen so klein wie möglich sein. IHI: Änderungen mit PDSA-Zyklen testen.

Beginnen Sie zum Beispiel mit einem Team, einer Leistungsart oder einer Woche. Notieren Sie Ihre Vorhersage – etwa, dass die nächste Rolle die Angabe im vorgesehenen Vorgang findet – und prüfen Sie sie an wenigen passenden Abläufen. Eine kurze Rückmeldung der Beteiligten ergänzt die Beobachtung: An welcher Stelle war die neue Vereinbarung hilfreich, und wo musste weiterhin nachgefragt werden?

Ein erster Versuch liefert den nächsten sinnvollen Schritt: die Routine beibehalten, eine einzelne Stelle ändern oder den Test beenden. Wenn eine Anpassung nötig ist, ändern Sie nicht gleichzeitig Kalender, Kommunikation und Abrechnung. Eine gezielte Änderung lässt sich dem ursprünglichen Problem besser zuordnen.

Wann ist ein begrenzter Prozessversuch auswertbar?

Vereinbaren Sie vor dem Start einen Rückmeldetermin und erfassen Sie nur, was für Ihre Arbeitsfrage nötig ist. Für die Übergabe können Sie beispielsweise prüfen, ob die benötigte Information im nächsten Schritt vorlag und ob eine zusätzliche Rückfrage oder doppelte Bearbeitung entstand. Das Institute for Healthcare Improvement unterscheidet Ergebnis-, Prozess- und Ausgleichsmaße und empfiehlt, für die Verbesserung nur ausreichend nützliche Daten heranzuziehen. IHI: Maßnahmen für Verbesserung auswählen.

Den Prozessversuch anhand der Arbeitsfrage gezielt auswerten
Den Prozessversuch auswerten Vor dem Start Arbeitsfrage festhalten. Rückmeldetermin setzen. Im Ablauf beobachten Lag die Information vor? Gab es Rückfragen? Entstand doppelte Arbeit? Gezielt entscheiden Brauchbares beibehalten. Offene Stelle anpassen. Beim ursprünglichen Problem bleiben. Nächsten Test aus dem Gelernten planen.
Arbeitsfrage und Rückmeldetermin stehen vor dem Start fest. Prüfen Sie Informationsstand und zusätzliche Bearbeitung, bevor Sie die Routine beibehalten oder anpassen.

Vergleichen Sie anschließend Ihre Vorhersage mit den beobachteten Vorgängen: Was funktionierte, was blieb offen, und entstand an anderer Stelle zusätzliche Arbeit? Behalten Sie die Teile bei, die das ursprüngliche Problem lösen. Passen Sie nur den Schritt an, der noch Rückfragen erzeugt, oder kehren Sie zu einer bewährten Routine zurück. Wenn der Ablauf funktioniert, halten Sie Zuständigkeit, nächsten Schritt und die häufigste Ausnahme knapp fest, damit auch Vertretungen anschließen können.

Häufige Fragen

Wie zeichne ich den Ablauf einer Praxisroutine auf?

Wählen Sie einen wiederkehrenden Vorgang mit erkennbarem Anfang und Ende. Folgen Sie einem typischen Fall Schritt für Schritt und notieren Sie, wer welche Information ergänzt, wo der Vorgang wartet, was die nächste Person benötigt und woran der Abschluss erkennbar ist. Nehmen Sie auch häufige Ausnahmen auf.

Wie übernehme ich eine digitale Aufnahmeidee für meine Praxis?

Klären Sie zuerst, welche konkrete Arbeit die Idee erleichtern soll. Wählen Sie eine häufig benötigte Information aus und vereinbaren Sie, wer sie aufnimmt, wer sie prüft und wo die nächste Person sie findet. Erst danach entscheiden Sie, ob ein umfangreiches Formular dafür passt.

Wie mache ich eine Übergabe bei unterschiedlichen Schichtzeiten eindeutig?

Halten Sie fest, welche Termine gelten, welche Rückfrage offen ist und wer den nächsten Schritt übernimmt. Erproben Sie die Vereinbarung zum Beispiel bei einem Raumwechsel und einer Vertretung. Die nächste Schicht sollte den Stand ohne zusätzliche mündliche Nachreichung finden.

Wie klein sollte ich einen neuen Praxisablauf testen?

Starten Sie mit einem begrenzten Bereich, etwa einem Team, einer Leistungsart oder einer Woche. Legen Sie vorher Arbeitsfrage, erwartetes Ergebnis, beteiligte Person und Beobachtung fest. Prüfen Sie wenige passende Vorgänge und entscheiden Sie danach, ob Sie die Routine beibehalten oder einen einzelnen Schritt anpassen.

Woran erkenne ich nach einem Prozessversuch, ob eine Änderung hilft?

Prüfen Sie, ob die benötigte Information im nächsten Schritt vorlag und ob zusätzliche Rückfragen oder doppelte Bearbeitung entstanden. Vergleichen Sie diese Beobachtungen mit Ihrer Vorhersage. Behalten Sie hilfreiche Teile bei und passen Sie nur die Stelle an, die Ihr ursprüngliches Problem noch nicht löst.

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